Höhere Ortstaxe in Wien – Land als Inflationstreiber

Die Wiener Ortstaxe wird demnächst kräftig von 3,2 % des Nettopreises auf 5 % angehoben. Im nächsten Jahr sollen dann sogar 8 % des Nächtigungspreises in die Gemeindekasse fließen.

Die versprochene ausgabenseitige Budgetsanierung kommt – zumindest weder bei Bund noch bei den Ländern – in die Gänge. Zu wirklich einschneidenden Maßnahmen fehlt einfach der Mut. Die Kunst der Budgetsanierung liegt da scheinbar vordringlich in der Erfindung neuer Steuern.

Leere Kassen in den Ländern – Inflationsnöte des Bundes

Während sich die Bundespolitik damit rühmt, einen Mieten-, einen Strompreis und letztendlich auch einen – sehr umstrittenen – Grundnahrungsdeckel eingeführt zu haben, erhöht das Bundesland Wien den Aufschlag auf den Nächtigungspreis um stolze 150 %. Steigen dann die Preise für Tourismusleistungen wird wieder einmal eine Branche als unersättlich hingestellt, auch wenn sie lediglich gestiegene Kosten und Abgaben weiterverrechnet. Warum kommt denn niemand auf die Idee einmal einen Steuer- und Abgabendeckel einzuführen?

 

Gernot Riedel
2. Juli 2026 • 08:54 Uhr • Gernot Riedel

Tja, es ist eben immer einfacher, Steuern und Abgaben zu erhöhen als beim Aufwand und den Ausgaben zu sparen…..aber das zieht sich seit Jahrzehnten durch die politische Landschaft wie ein roter Faden! Das Ergebnis dürfen wir täglich sehen, hören und lesen….und bezahlen. Während jeder Unternehmer sowohl beim Bezahlen als auch Verrechnen immer mit eigenem Geld hantiert, hat es diesbezüglich die Politik recht einfach – es handelt sich immer um fremdes Geld.
Das politische Verständnis von Sparen scheint ohnehin seit Jahrzehnten einem sehr einfachen Rezept zu folgen: wird das Geld knapp: überall (=bei den anderen) sparen und vor allem Steuern erhöhen – aber nur ja nicht die Wählerschaft (zu sehr) vergraulen und keine heiligen Kühe wie Gesundheitssystem, Mehrgleisigkeiten in Bund,Ländern, Gemeinden oder Verwaltung angreifen….aber das ist dann schon wieder ein anderes Thema. Lächerliche Maßnahmen wie die intransparente und für den Handel massiv aufwändige Senkung der Mehrwertsteuer auf eine nicht nachvollziehbare Auswahl an Nahrungsmitteln wird nicht einmal von den Adressaten wie einkommensschwachen oder pensionsbeziehenden Teilen der Bevölkerung ernstgenommen…
Wobei all das eigentlich wenig bis nichts mit der Wiener Ortstaxe zu tun hat, denn die steht nochmal auf einem anderen Blatt Papier….

Thomas Reisenzahn
2. Juli 2026 • 08:58 Uhr • Thomas Reisenzahn

Einen Bereich zur Kasse zu bitten, der nach den Nächtigungszahlen gut funktioniert, strukturell aber bereits unter hohen Kosten – unter anderem durch die Beteiligung der Gemeinde Wien an den steigenden Energiekosten – leidet, ist nicht gerade ein Ausdruck kluger Standortpolitik. Insbesondere dann nicht, wenn an anderer Stelle nicht gespart wird.

Für mich ist das Thema auch deshalb etwas eigenartig, weil die nun in Kraft tretende Ortstaxen-Regelung von den Interessenvertretern im vergangenen Herbst ausdrücklich begrüßt wurde. https://www.w24.at/News/2025/9/Ortstaxe-Erhoehung-in-Wien-auf-2026-verschoben-Ausmass-reduziert

Wien bleibt offenbar auch im Interessenausgleich anders.

Marco Riederer
2. Juli 2026 • 09:34 Uhr • Marco Riederer

Spannend ist für mich vor allem, dass dieses Thema jetzt wieder so intensiv diskutiert wird. Die grundsätzliche Debatte wurde ja bereits im vergangenen Herbst sehr ausführlich geführt (inklusive durchaus hitziger Diskussionen innerhalb der Branche).

Unabhängig von der Frage, ob 5 % bzw. künftig 8 % im internationalen Vergleich noch wettbewerbsfähig sind, bleibt für mich vor allem ein Punkt kritisch: Wien setzt weiterhin auf ein prozentuales Modell. Damit steigen die Einnahmen der Stadt ohnehin automatisch mit jeder Preissteigerung der Hotellerie mit. Gerade in Zeiten hoher Inflation, steigender Personalkosten und erheblicher Investitionen in Nachhaltigkeit und Qualität erscheint eine zusätzliche Erhöhung zumindest diskussionswürdig.

Kritisch sehe ich auch die potenziellen Auswirkungen auf das Kongress- und Veranstaltungsgeschäft. Viele internationale Veranstaltungen werden Jahre im Voraus kalkuliert und abgeschlossen. Nachträgliche Mehrkosten schaffen hier weder Vertrauen noch Planungssicherheit.

Dass die Erhöhung letztlich stufenweise eingeführt wurde (1.7.2026: 5 %, 1.7.2027: 8 %), hat die Situation – zumindest noch im Vorjahr – etwas entschärft. Dennoch bleibt die grundsätzliche Frage bestehen, wie viel zusätzliche Belastung ein Standort verkraftet, bevor seine Wettbewerbsfähigkeit leidet.

Eine Tourismusmetropole wie Wien lebt von ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Zusätzliche Abgaben sollten daher nicht nur fiskalisch, sondern immer auch standortpolitisch bewertet werden.

Ich habe mich bereits im Vorjahr im Rahmen von Smart Hotel Key ausführlicher mit dem Thema beschäftigt: https://smarthotelkey.at/ortstaxe-explosion-in-wien/

Ebenfalls lesenswert ist der damalige Beitrag von Thomas Reisenzahn mit den zahlreichen Diskussionsbeiträgen aus der Branche: https://tp-blog.at/tourismuspolitik-regulierung/erhoehung-der-wiener-ortstaxe-wenn-die-stadt-ihren-tourismusstandort-selbst-sabotiert

Elfriede Krempl
2. Juli 2026 • 11:42 Uhr • Elfriede Krempl

wie recht Ihr alle habt, wie so etwas überhaupt durchgehen kann ist mir unverständlich. Wer hat nicht hingeschaut?

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