Erhöhung der Wiener Ortstaxe: Wenn die Stadt ihren Tourismusstandort selbst sabotiert

Der Tourismus ist eine tragende Säule Wiens. Er schafft Milliardenwertschöpfung, Jobs und internationales Prestige. Doch statt diesen Schatz zu hegen, macht die Stadt das Gegenteil: Sie treibt Betriebe in die Enge, gefährdet Investitionen und verspielt das Vertrauen der Gäste.

Wien glänzt weltweit als Kongress- und Tourismusmetropole. 2024 fanden hier über 6.600 Tagungen statt, darunter fünf Mega-Kongresse mit 670.000 Teilnehmer*innen. Mit 19 Millionen Nächtigungen (+9 % zu 2023) ist die Stadt auf Rekordkurs.

Doch anstatt diesen Erfolg zu feiern, macht die Stadt Wien das, was sie scheinbar am besten kann: Gebühren zu erhöhen. Ab 1. Dezember 2025 soll die Ortstaxe von 3,2 % auf massive 8,5 % steigen. Damit katapultiert sich Wien ins Spitzenfeld der Städte mit den höchsten touristischen Gebühren und Abgaben – nicht nur in Österreich, sondern auch in ganz Europa – und untergräbt die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Eine Erhöhung ohne Maß und Ziel!

Das Problem ist nicht nur die Höhe, sondern die Konstruktion:

  • In Wien ist die Ortstaxe umsatzabhängig – sie steigt automatisch mit jedem inflationsbedingten Preisanstieg.
  • Schon 2024 brachte sie der Stadt 50 Millionen Euro ein.
  • Nun will man zusätzliche 81,56 Millionen Euro kassieren.

Das ist nichts anderes als eine verdeckte Umsatzsteuer – und damit eine doppelte Besteuerung. Während andere Gebühren in Wien über Jahre unverändert blieben, ist die Ortstaxe längst stärker gestiegen als jede andere Abgabe. Eine Begründung? Fehlanzeige.

Wien sägt am eigenen Ast

Die Folgen sind fatal:

  • Kongresse wandern ab: Internationale Städte stehen bereit, Wien den Rang abzulaufen.
  • Vertragsbrüche: Viele Veranstalter-Deals für 2026/27 sind längst fixiert.
  • Kostenexplosion: Energie (Wien Energie), Personal, Waren – alles wird teurer. Jetzt noch eine solche massive Erhöhung obendrauf? Das bringt viele Betriebe an die Belastungsgrenzen.
  • Überregulierung: Wien gilt ohnehin schon als bürokratisch. Mit dieser Erhöhung wird die Stadt endgültig zum Abgabenkaiser.
  • Falsches Signal: Wenn die „gewonnenen“ Millionen nicht wenigstens der Förderung von Qualitätstourismus zukommen,   manifestiert das den Eindruck:  Tourismus ist die Melkkuh der Politik.

Ein Wirtschaftsstandort lebt nicht von immer neuen Abgaben, sondern von verlässlichen Rahmenbedingungen. Wien braucht Planungssicherheit, nicht Steuertricks. Partnerschaft mit der Branche, nicht Konfrontation.

Oder, um es sprichwörtlich zu sagen: Auf seinem Misthaufen ist der Hahn der Mächtigste – nur dass ihm auf diese Art das Huhn, das goldene Eier legt, abhanden kommt.

2. September 2025 • 16:16 Uhr • Ines Pietsch

Absolut richtig! Die Erhöhung ist nicht nur viel zu hoch, sondern auch viel zu kurzfristig.

2. September 2025 • 16:34 Uhr • Gerald Wlcek

die OT ist über die Jahre kontnuierlich gestiegen – so vernichten sie am Ende Arbeitsplätze

2. September 2025 • 16:37 Uhr • Alfred Augustin

Diese massive Erhöhung ist ein schwerer Schlag für die Branche. Nicht nur, dass wir im internationalen Wettbewerb den Standort schwächen, wird die Wiener Hotellerie zum unfreiwilligen Antreiber der Inflationsrate und dafür gegeißelt werden. Denn aufgrund der ohnehin schon angespannten Kostensituation bleibt uns gar nichts anderes über, als diese Erhöhung voll einzupreisen.

2. September 2025 • 16:39 Uhr • Martin Gissel

Für mich ganz klar mal wieder ein Versuch, die leeren öffentlichen Kassen zu füllen, indem die Last auf die Touristiker gelegt wird. Allen ist klar, dass Kosten steigen aber eine Erhöhung um 165% mit einem Vorlauf von gerade mal 3 Monaten ist schon mehr als eine Verzweiflungstat und höchst unprofessionell

2. September 2025 • 17:56 Uhr • Holger Wernicke

Immer wieder wird die Hotellerie als Inflationstreiber hingestellt. Doch während wir als vermeintliche ‚Melkkuh der Nation‘ ausgequetscht werden, sollen wir steigende Kosten stillschweigend schultern. An unsere Gäste können wir diese massiven Preissteigerungen kaum weitergeben – und wenn doch, wer erklärt ihnen, warum wir am Limit kämpfen müssen, um überhaupt überleben zu können?“
Erhöhung 165% und Vorlauf von 3 Monaten

2. September 2025 • 19:02 Uhr • Martin Lachout

Es ist bedauerlich keine Handhabe für die Verwendung der 130 Millionen an jährlicher Ortstaxe zu haben, welche wir als Hotelliers für die Gemeinde Wien einkassieren um Löcher in der Stadtkassa zu stopfen!

Wird es die Inflation anheizen, JA!
Wird es Arbeitsplätze kosten, JA!
Werden weniger Gäste nach Wien kommen, JA!

Wird es etwas am Defizit der Gemeinde Wien ändern, NEIN!

Wien hat ein so großes Problem sich zu refinanzieren, welches sich nicht mit vielen Abgabenerhöhungen beheben lässt!

3. September 2025 • 08:50 Uhr • Andrej Wimmer

Es scheint so als ob die Politik der Meinung ist, dass Gäste bei der Wahl einer Urlaubsdestination keine Alternativen hätten. Das ist schlicht falsch. Wenn eine Destination zu teuer wird, dann fährt man halt in eine andere Stadt. Daher ist sehr wichtig die Höhe der Ortstaxe mit anderen vergleichbaren Metropolen Städten zu vergleichen und hier mit Maß und Ziel vorzugehen. Diese Erhöhung gleicht einem Schröpfen und das bekommen auch die Gäste mit, welche dadurch vor den Kopf gestoßen werden. Die Konsequenzen werden wir spüren. Das müssen wir verhindern.

4. September 2025 • 07:31 Uhr • Oliver

Wir befinden uns im Hotel ohnehin schon in einer schwierigen Situation. Die Wirtschaftslage in Österreich ist angespannt, das Geld sitzt knapp bei den Gästen, während der Kostendruck für die Wartung und Instandhaltung steigt.
Und jetzt, rammt uns noch die Stadt Wien ein Messer in den Rücken! Wir müssen die Preise deutlich erhöhen um die Mehrabgabe zu kompensieren, ohne auch nur einen einzigen Cent mehr zu verdienen.
Die Existenz meines Arbeitgebers steht deutlich auf der Kippe!

4. September 2025 • 08:12 Uhr • Herbert

Mein Hotel ist im 23. Bezirk, nahe der Landesgrenze zu Niederösterreich. Viele Firmen in diesem Bezirk und im angrenzenden Vössendorf und Brunn am Gebirge schicken ihre Firmenkunden zu mir.
Mit der neuen Ortstaxe muss ich meine Preis empfindlich erhöhen und ich fürchte dann, dass die Firmen zu günstigeren Unterkünften ins nahe gelegen Niederösterreich wechseln. Schon jetzt ist der Preisdruck hoch. Die deutlich höhere Ortstaxe muss ich aber an die Kunden weitergeben, ich kann das nicht alleine tragen.
Neben meiner eigenen Existenz ist auch die von 10 Mitarbeitern betroffen. Fast allen von ihnen haben Familie. Ich weiß, im Vergleich zu den großen Hotelkonzernen bin ich ein unbedeutendes Nichts für die Politik.

4. September 2025 • 08:21 Uhr • Richard Loidl

Das Agieren der Entscheidungsträger in der öffentlichen Verwaltung ist abgehoben und „weltfremd“. Man sieht, wie sehr es nur um sich und ihre zu verwaltende Ebene geht, deren Hauptanliegen ist, sich selbst zu verwalten. Die Kluft und die Probleme werden dadurch imner grlßer. Unverständlich, wie und wem eine Erhöhung in diesem Ausmaß überhaupt einfallen kann. Bleibt die Hoffnung, dass sie tatsächlich nicht umgesetzt wird aufgrund des Drucks der Wirtschaft, Bürger und Gäste. Dran bleiben!

Prof. Elfriede Krempl
8. September 2025 • 20:47 Uhr • Prof. Elfriede Krempl

Da hilft kein Sturm im Wasserglas, nur ein Sturm auf das Rathaus!

Thomas Reisenzahn
9. September 2025 • 15:21 Uhr • Thomas Reisenzahn

Man hört aus den Verhandlerkreisen, dass man sich nun auf eine schrittweise Erhöhung der Ortstaxe geeinigt hat:

ab 01.07.2026: +5 %

ab 01.07.2027: +8 %

Andere Länder wie die Schweiz und Deutschland diskutieren hingegen über einen reduzierten Mehrwertsteuersatz – und wir verlieren dadurch an Wettbewerbsfähigkeit!

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