Herr Bundesminister, das Problem liegt nicht bei den Betrieben
Lieber Herr Bundesminister Marterbauer,
Sie haben angekündigt, den Dienstleistungssektor – insbesondere Beherbergung und Gastronomie – wegen überdurchschnittlicher Preissteigerungen genauer zu prüfen. Entscheidend ist dabei jedoch, nicht die Branche selbst, sondern die Ursachen dieser Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen.
Die hohe Inflation in Österreich ist strukturell bedingt. Mit 3,8 Prozent im Dezember und 4 Prozent im November liegt sie deutlich über Deutschland und dem Euroraum. Haupttreiber sind gestiegene Energiepreise nach dem Auslaufen der Strompreisbremse sowie massiv gestiegene Kosten in personalintensiven Bereichen. Die Erbringung von Dienstleistungen ist in Österreich schlicht zu teuer geworden.
Ein Blick auf die Arbeitskosten verdeutlicht diese Schieflage: In den vergangenen zehn Jahren sind die Arbeitsstückkosten pro Stunde um rund 50 Prozent gestiegen. Mit durchschnittlich 44,50 Euro liegt Österreich deutlich über vergleichbaren Tourismusländern wie Italien (30,90 Euro), Spanien (25,50 Euro), Frankreich (25,50 Euro), Griechenland (16,70 Euro) und Kroatien (16,50 Euro). Diese Kosten lassen sich nicht wegdiskutieren – sie wirken unmittelbar preistreibend.
Tourismus, Hotellerie und Gastronomie trifft diese Entwicklung besonders hart. Diese Branchen beziehen Energie, Personal, Lebensmittel und Dienstleistungen nahezu ausschließlich aus dem Inland und können nicht auf internationale Märkte ausweichen. Steigende Löhne, hohe Energiepreise und teurere Vorleistungen führen zu einem strukturellen Kostenstau. Preisanpassungen sind daher kein Ausdruck von Gewinnstreben, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.
Ein zentraler Hebel bleibt der Energiesektor. Trotz allgemeiner Teuerung erzielen Energieversorger weiterhin hohe Gewinne, vielfach im Eigentum der öffentlichen Hand. Hohe Tarife wirken inflationsverstärkend, während Dividenden die öffentlichen Budgets entlasten. Dieser Zielkonflikt ist politisch gestaltet. Ein temporärer Verzicht auf Gewinnausschüttungen zugunsten niedrigerer Energiepreise würde Wirtschaft und Tourismus unmittelbar entlasten.
Steigende Preise im Dienstleistungssektor sind daher nicht die Ursache, sondern das Symptom. Wer Inflation wirksam bekämpfen will, muss an den Kostenstrukturen ansetzen – bei Energiepreisen, Steuern und Abgaben sowie insbesondere bei den Lohnkosten. Die entscheidende Frage ist nicht, warum Dienstleistungen teurer werden, sondern ob Österreich bereit ist, strukturelle Entlastungen zuzulassen, um Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung im Inland nachhaltig zu sichern.
Lieber Thomas
Danke – für diese zusammenfassende Problematik und das reale Bild
Grüße
Franz Hörl
Lieber Thomas,
„Leider“ alles korrekt!
Bis Mittwoch/Donnerstag, ÖHV, Lg Sigi
Danke für diese Klarstellung. Wir haben in unserem Geschäftsjahr 2024/25 das mit dem 31. Oktober geendet hat, die aufgelaufenen stark gestiegenen Personal- und Warenkosten bei Weitem nicht durch den Nächtigungszuwachs und einer Umsatzsteigerung kompensieren können. Wir haben durch eine zu vorsichtige Kalkulation beim Erfolg eingebüßt. So wie uns wird es auch anderen Kollegen in der Ferienhotellerie ergangen sein. Uns jetzt als Preistreiber hinzustellen entbehrt der Grundlage. Jakob Wrann, AR Fa. Wrann-Hotels GmbH
Vergleiche dazu meinen Artikel über „Die wahren Preistreiber“: https://tp-blog.at/allgemeines/die-wahren-preistreiber.
Da werden Unternehmer der Preistreiberei beschuldigt aber die öffentliche Verwaltung hebt das Gebührenniveau ohne nachvollziehbare Begründung und in astronomischen Höhen (von 30 bis sogar über 100 %) an. Und dann wird die Gier der Unternehmer als Begründung für die nicht beherrbare Inflation angeführt. Die überwälzen lediglich ihre gestiegenen Kosten in die Preise. Diese Verlogenheit einiger Politiker hat schon fast trumpsches Niveau.
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