Die wahren Preistreiber
Tourismuswirtschaft vor Saisonbeginn für Preiserhöhung verantwortlich gemacht
Wenn von Preiserhöhungen die Rede ist, steht rasch auch die Tourismuswirtschaft am Pranger und da hat mancher ein Erlebnis parat, wo für einen Kaffee oder eine Mahlzeit schon einmal astronomische Preise verlangt wurden.
Genauso entzündet auch die alljährlich geführte Berichterstattung über Liftkartenpreise die Diskussion. Dabei werden regelmäßig Preise von Kitzbühel (Tageskarte 79 EUR) oder Sölden (83 EUR) kolportiert und nicht von St. Johann am Wimberg (26 EUR) oder dem Hochficht (41 EUR).
Es lohnt sich da als neutralen Gradmesser den VPI heranzuziehen und da haben touristische Dienstleistungen (Hotellerie und Gastronomie) anhand der Novemberdaten im heurigen Jahr einen Anstieg von 5,9 % verzeichnet und sind damit etwas über der Inflationsrate von 4 %.
Regierung versucht gegenzusteuern
Da eine Regierung ja bei einer von der Bevölkerung gefühlten Bedrohung nicht untätig bleiben kann, kratzt der Bund EUR 500 Mio. zusammen um wieder einmal die Energiekosten zu mildern. Experten sehen das als ein einmaliges Strohfeuer mit beschränkter Wirkung an, das keine nachhaltige Wirkung entfalten wird. Während allerdings der Bund seine letzten Reserven verbrennt, greifen manche Länder munter in die Taschen der Bürger.
So wird etwa in Wien die Jahreskarte für die Wiener Linien im nächsten Jahr um 25 % teurer, der Einzelfahrschein um 30 % und der Wegfall des Seniorentickets bedeutet für diese Personengruppe eine Verteuerung um 113 %. Das Kurzparken macht sich ebenfalls mit einem Plus von 30 % bemerkbar und wer seine Einsamkeit mit einem vierbeinigen Gefährten mildern will, darf sich mit zusätzlich 65 % am Wiener Budget beteiligen.
Preiserhöhungen von Unternehmern werden gebrandmarkt und nur mit Gier (und nicht mit höheren Kosten) erklärt und Vermieter, die ihre Wohnungspreise entlang der Inflation anheben, an den Pranger gestellt. Aber wenn die eigenen Genossen den Bürger mit einer einzigartigen und auch nicht näher begründeten Gebühren- und Kostenlawine konfrontieren, dann bleibt es auf Bundesebene (und auf Ebene des Vizekanzlers) erstaunlich still.
In einem Blog steht jedem seine Meinung zu. Trotzdem sollten die objektiven Fakten nicht zu kurz kommen. Die passen im Beitrag nicht. Drei Beispiele:
1. Wenn die Inflationsrate für touristische DL bei 5,9 gegenüber 4% VPI liegt, dann ist das nicht geringfügig, sondern um fast die Hälfte darüber.
2. Ich habe nachgelesen und bei den Erhöhungen in Wien kann wahrlich niemand von „nicht begründet“ sprechen, wenn nach 13 Jahren Preise für Jahreskarten um 25% erhöht werden.
3. Natürlich ärgerlich, wenn heute Öffi-Preise erhöht werden, allerdings parallel dazu ja auch die Kurzparkzonen. Eine gewisse (politische)Logik kann man erahnen: Den Preis lange niedrig zu halten sollte den Umstieg auf ÖPNV forcieren, das dürfte partiell gelungen sein. Gelegenheitsfahrer, etwa Touristen, stärker zur Ader zu lassen, ist zur Finanzierung ebenfalls naheliegend. Dass die extrem günstige Seniorenkarte Wien wegfällt, trifft einige wohl wirklich hart. Allerdings gibts noch die 30%-Seniorenermäßigung beim Jahresticket Ostregion. Man sollte aber auch nicht verheimlichen, dass es statt des Seniorenticktes nun erstmals ein ermäßigtes Jugendticket gibt. Wohl auch kein dummer Ansatz.
Haupttreiber der Inflation waren gestiegene Energiepreise nach dem Auslaufen der Strompreisbremse, weiterhin hohe Dienstleistungspreise infolge vergangener Lohnrunden, unter denen insbesondere Dienstleistungssektoren im People Business stark leiden, sowie erneut steigende Lebensmittelpreise.
Ab 2026 zeichnet sich jedoch eine spürbare Entspannung ab. Durch Basiseffekte dürfte die Inflation auf etwa 2,4 Prozent sinken. Damit gilt die Phase der Hochinflation hoffentlich als weitgehend überwunden, und wir sind im internationalen Vergleich wieder besser marktfähig.
Schließe mich den Argumenten im Allgemeinen und insbesondere im Bereich von Liftpreisen Franz Hartl an. Leider muss ich als „treuer“ ORF Seher hier betonen, dass ich das jährliche, zur Routine gewordene Liftkartenbashing als unnötig empfinde. Die Seilbahnen haben gelernt und bieten mittlerweile günstige Preise für Kinder oder auch Ermäßigungen an Wochenenden und Männerdiskriminierung oje, oje auch günstige „Ladytage“ an. Ein Tageskartepreis von € 70,00 bis € 80,00 mag auf den ersten Blick hoch erscheinen, aber der dafür gebotene Komfort ist Spitze. Vielleicht ist die Idee der ersten Anbieter auch bei den Liftkarten Dynamic Pricing einzuführen (siehe Fluglinien und Hotellerie) der richtige Weg. Freue mich (fürchte schon) die Reaktionen im ORF wenn dann eine Liftkarte zu Weihnachten € 150,00 kostet. Erwähnen möchte ich wie oben angeführt den Spitzenkomfort, den die meisten österr. Seilbahngesellschaften bieten: vom Rundumservice wie Verbindungsbusse und fantastisches Schnee- und pistenmanagement. Angeblich ist Östereich hier führend. Ich bitte die Verantwortlichen im ORF sich mal international Preisvergleiche anzusehen und mit dem jährlichen Liftbashing aufzuhören. Anmerkung am Rande: Ich besitze keine Liftgesellschaft, bin nur ein leidenschaftlicher Skifahrer. Übrigens eine Bemerkung am Rande: : Eine Opernkarte für ein vielleicht sogar fragliches Vergnügen von 2 Stunden kostet bis zu € 255,00 und dabei fließen noch hohe Subventionen, hört man…
Falls jemand später einmal den Blogbeitrag bzw. die Kommentare ansieht: Die Inflation gemäß VPI lag 2025 final bei 3,6%, die Erhöhungen von Restaurants bei 5,9%, Beherbergung bei 5,3%. 2024 lag sie noch höher (7,1 bzw. 6,3%). An den in den Beiträgen argumentierten Relationen hat sich dadurch aber nichts verändert.
Die Energiekosten (für Haushalte, nicht Unternehmen berechnet) entwickelten sich laut Statistik Austria so: Preise für Haushaltsenergie, die im Jahr 2025 um 11,1 % stiegen (Einfluss +0,64 Prozentpunkte), nachdem sie im Jahr 2024 um 6,9 % gesunken waren (Einfluss −0,34 Prozentpunkte). Dazu trug überwiegend die Preisentwicklung von Strom bei (2025: +37,3 %, +0,71 Prozentpunkte; 2024: +1,2 %, +0,02 Prozentpunkte). Seit Jahresbeginn 2025 wirkten die Strompreisbremse, der Netzkostenzuschuss für GIS-befreite Haushalte sowie der Stromkostenergänzungszuschuss für Haushalte
mit mehr als 3 Personen nicht mehr preisdämpfend, die Netzentgelte und die Elektrizitätsabgabe wurden erhöht und die Erneuerbaren-Förderpauschale sowie der Erneuerbaren-Förderbeitrag wieder eingeführt. Außerdem wirkten die Preise für Gas weniger preisdämpfend (2025: −6,6 %, −0,02 Prozentpunkte; 2024:
−16,8 %, −0,17 Prozentpunkte). Ähnliche Tendenzen zeigten sich auch bei den Preisen für feste Brennstoffe (2025: −4,9 %; 2024: −16,4 %) sowie bei jenen für Fernwärme (2025: −0,1 %; 2024: −12,1 %). Bei Heizöl hingegen nahm der preisdämpfende Effekt etwas zu (2025: −5,2 %; 2024: −4,7 %).
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