Stimmt es, dass immer weniger Menschen Ski fahren?

Wenn man den öffentlich-medialen Diskurs über das Skifahren im deutschsprachigen Raum über die letzten Jahrzehnte beobachtet hat, könnte man zu dem Schluss kommen, dass immer weniger Menschen Ski fahren und dass diese Sportart in einer existenziellen Krise steckt. Um die Beantwortung der Eingangsfrage kurz zu machen: Nein, es stimmt nicht, dass immer weniger Menschen Ski fahren. Wir schauen uns dazu drei Grafiken an.

 

  1. Die größten Skifahrernationen der Welt

Aktuell fahren ungefähr 150 Millionen Menschen auf der Welt Ski – mehr als jemals zuvor. Die Anzahl der Skifahrer ist in den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich angewachsen. Wachstum gab es unter anderem in den USA, in Osteuropa und Zentralasien – vor allem aber in Fernost, Stichwort China. Hingegen ist die Anzahl der Skifahrer in Japan stark geschrumpft.

 

Abb. 1: Die Anzahl der Skifahrer nach Nationen. Daten: Laurent Vanat – International Report on Snow & Mountain Tourism. Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.

 

Der Schweizer Forscher Laurent Vanat gibt aktuell China den Titel der globalen Skifahrernation Nummer 1 mit 36 Millionen Skifahrern. Diese Zahl ist eine Schätzung und nicht unumstritten, aber es wird verdeutlicht, dass in China gigantisches Wachstum passiert (ist). Wir sollten die Entwicklung der Zahlen aus China in den nächsten Jahren genau ins Auge nehmen. Die dominierende Skination der westlichen Welt waren und sind die USA mit aktuell etwa 25 Millionen Skifahrern. In Europa ist Deutschland traditionell mit großem Abstand die Nummer 1 mit aktuell 14,6 Millionen Skifahrern. Deutsche Skifahrer sind die wichtigste Quelle für den Skitourismus im Alpenraum. Österreich und die Schweiz haben jeweils rund 3 Millionen Skifahrer. In diesen beiden Ländern fährt rund ein Drittel der Bevölkerung Ski. In Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und auch Südtirol als autonome Provinz ist die Anzahl der Skifahrer relativ zur Gesamtbevölkerung weltweit am größten.

 

  1. Das internationale Skitourismusvolumen

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Zahlen in Abbildung 1 auf Schätzungen und Umfragen basieren – damit nicht mehr als eine ungefähre Richtschnur darstellen. Eine qualitativ höhere empirische Basis haben die Daten in Abb. 2: Hier handelt es sich um die Skier Visits bzw. Skifahrertage pro Saison. Diese Zahlen markieren die Summe der täglichen Erstzutritte für alle Skigebiete im jeweiligen Land in der Wintersaison 2024/25. Der größte Einzelmarkt der Welt sind die USA mit etwa 62 Millionen Skier Visits, gefolgt von Frankreich und Österreich. Die Alpen sind mit 174 Millionen Skier Visits (= 44 % des globalen Volumens) die wichtigste Skiregion der Welt. Italien befindet sich aktuell auf einem „All Time High“ und hat die Schweiz deutlich überholt. Japan und Deutschland haben in den letzten Jahrzehnten abgebaut.

Abb. 2: Die Anzahl der Skier Visits (= Erstzutritte bzw. Skifahrertage pro Saison) nach Nationen. Daten: International Report on Snow & Mountain Tourism. Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.

 

Das globale Skitourismusvolumen betrug im Mittel der vergangenen 25 Jahre etwa 370 Millionen Skier Visits pro Jahr. Die in der Abb. 2 analysierte Skisaison 2024/25 war mit 399 Millionen Skier Visits die erfolgreichste Skitourismussaison aller Zeiten.

 

  1. Die Entwicklung des Skitourismus in Österreich

Als Letztes sehen wir uns die Entwicklung der Skier Visits pro Saison in Österreich an. Wir können mit Daten des Fachverbandes der Seilbahnen 26 Jahre zurückblicken – bis zur Saison 2000/01. Wir erkennen über diese Zeitspanne eine Seitwärtsbewegung. Der lineare Trend verweist sogar auf eine Zunahme der Skifahrertage, jedoch ohne statistische Signifikanz. Das kleine Land Österreich hat eine weltweit einzigartige „Dichte“ an Skitourismus und ist mit etwa 52 Millionen Skier Visits „Skitourismusweltmeister“.

Anmerkung: Der Chart klammert die „Covid-Saisonen“ 2019/20 bis 2021/22 aus, weil die Entwicklungen dieses externen singulären Ereignisses den Blick auf die lange Zeitreihe trüben würden.

Abb. 3: Die Entwicklung der akkumulierten Skier Visits (= Erstzutritte bzw. Skifahrertage pro Saison) aller österreichischen Skigebiete von 2000/01 bis 2025/26, ausgenommen der Covid-Saisonen 2019/20 bis 2021/22. Daten: Fachverband der Seilbahnen in Österreich. Grafik: Günther Aigner.

 

Im Chart erkennen wir die magere Skisaison 2006/07, welche österreichweit von Schneemangel geprägt war. Nur zwei Jahre später, im Winter 2008/09, gab es dafür die stärkste Skisaison in Österreichs Skitourismus seit Aufzeichnungsbeginn. Die Skisaisonen 2014/15 bis 2018/19 markieren die bisher stärkste Phase des österreichischen Skitourismus, welche durch Covid jäh beendet wurde. Seit 2022/23 nähert sich der österreichische Markt Schritt für Schritt wieder den stärksten Prä-Covid-Phasen an. Das Überschreiten dieser alten Hochs ist aber (noch) nicht gelungen.

 

FAZIT

Noch nie wurde auf der Welt so viel Ski gefahren wir heute. Osteuropa, Zentralasien, Fernost und die USA waren die großen Wachstumstreiber der vergangenen Jahrzehnte. In Österreich hat sich der Skitourismus seit der Jahrtausendwende auf hohem Niveau eingependelt. Es scheint, als sei beim österreichischen Skitourismus der Plafond erreicht. Wachstum ist aus heutiger Sicht nur noch in Richtung Qualität möglich.

 

Quellen

Vanat, L. (2026) 2026 International Report on Snow & Mountain Tourism. www.vanat.ch

WKO – Fachverband der Seilbahnen in Österreich (2026). Die Daten zu den österreichischen Skier Visits sind nicht online verfügbar, sondern wurden per E-Mail angefragt.

 

Zum Autor

Günther Aigner (*1977 in Kitzbühel) zählt zu den führenden internationalen Experten zur Zukunft von Skifahren und Skitourismus. Sein Unternehmen ZUKUNFT SKISPORT berät Skigebiete, alpine Destinationen sowie Hardware- (z. B. Seilbahnsysteme) und Softwarehersteller (z. B. Zutrittssysteme). Aigner fungiert als Bindeglied zwischen dem akademisch-wissenschaftlichen Denkraum und den alpintouristischen Praktikern.

Als Keynote Speaker hält Aigner Vorträge im In- und Ausland. Er gestaltet als Experte den öffentlich-medialen Diskurs zum Skifahren mit und arbeitet als Gastlektor an Hochschulen in Europa und Asien. Aigner ist Mitglied des Studienausschusses VII des Weltseilbahnverbandes O. I. T. A. F.

Nach einem Wirtschafts- und Sportstudium an den Universitäten Innsbruck (UIBK) und New Orleans (UNO, USA) hat er das Wintermarketing von Kitzbühel (Tirol) geleitet. 2021 ist er an die UIBK zurückgekehrt und forscht seither nebenberuflich als „PhD candidate“ (Doktorat „Management“) am Innsbruck Doctoral College – Tourism and Leisure in Mountain Regions. Die UIBK wird global auf Platz 23 in der Tourismusforschung gerankt und ist innerhalb der EU auf Platz 1.

Franz Hartl
29. September 2026 • 21:08 Uhr • Franz Hartl

Angesichts der Tatsache, dass in den Voralpen immer wieder Skigebiete sowohl in Österreich aber auch in Deutschland oder der Schweiz dauerhaft schließen (zuletzt u.a. Unterberg, NÖ oder Gaberl, Stmk.) muss es da zu einer weiteren Konzentration kommen. Große hochgelegene Skigebiete sind aufgrund ihrer Höhenlage schneesicher und aufgrund der klimatischen Veränderungen bekommen sie oftmals sogar mehr Schnee ab als in der Vergangenheit. Darüber hinaus verfügen sie über Beschneiungsanlagen, um einen weitgehend störungsfreien Skibetrieb sicherstellen zu können.

Die Welt scheint daher nicht für alle Skiregionen gleichermaßen in Ordnung zu sein. Bei einer mehr oder weniger gleichbleibenden Zahl von Skifahrern gibt es offenbar Gewinner und Verlierer im Rennen um den gegehrten Wintergast.

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