Ortstaxen-Diskussion: Es geht um die Verteilung der Last

Mit der Erhöhung der Wiener Ortstaxe auf 5 Prozent ab 1. Juli 2026 und auf 8 Prozent ab 1. Juli 2027 steht in Wien nicht nur die Höhe einer Abgabe zur Debatte. Im Kern geht es um eine viel grundlegendere Frage: Warum wird die Finanzierung des Tourismus in Wien so stark über die Beherbergung organisiert?

Tourismus schafft in Wien Wertschöpfung weit über die Hotellerie hinaus. Gäste übernachten in Hotels, essen in Restaurants, besuchen Kultur- und Freizeiteinrichtungen, nutzen Verkehrsmittel und kaufen im Handel ein. Der wirtschaftliche Nutzen touristischer Nachfrage verteilt sich damit auf viele Bereiche der Stadt. Genau deshalb ist die aktuelle Diskussion keine Debatte über die österreichische Tourismusfinanzierung. Sie ist eine Wiener Debatte. Hier geht es um die Frage, ob die Wiener Logik der Finanzierung noch zur tatsächlichen Verteilung der touristischen Wertschöpfung passt.

Warum die Ortstaxe besonders umstritten ist

Besonders deutlich wird das an der Konstruktion der Wiener Ortstaxe. Sie wird prozentual vom Entgelt für den Aufenthalt berechnet. Steigt der Zimmerpreis, steigt automatisch auch die Abgabe. Genau darauf verweist auch die Wiener Wirtschaftskammer mit dem Argument, dass die Inflationsanpassung damit ohnehin laufend im System enthalten sei und es daher keinen Grund für eine zusätzliche Erhöhung gebe.

Forderungen aus Wien

Aus Wien kommt aber noch ein zweiter Einwand, der politisch besonders relevant ist. Die Wiener ÖVP fordert, dass die Einnahmen aus der Ortstaxe nicht ins allgemeine Budget fließen, sondern 1:1 dem Tourismus zugutekommen. Zusätzlich wird eine gesonderte Ausweisung der Ortstaxe verlangt.

Auch aus der Branche selbst kommt Kritik mit einem klaren Wien-Bezug. Gefordert werden die Aussetzung der zweiten Erhöhung, eine klare Zweckwidmung der Einnahmen und eine stärkere Einbindung der Hotellerie.

Wer profitiert, sollte mittragen

Damit wird die eigentliche Schieflage sichtbar. Nicht die Frage, ob Wien eine Ortstaxe einheben darf, steht im Mittelpunkt. Diskutiert wird vielmehr, warum eine Stadt, deren Tourismus so viele Wirtschaftsbereiche stärkt, die Finanzierung dieses Systems so stark auf jene Betriebe konzentriert, bei denen der Gast schläft.

Es geht daher nicht um eine Grundsatzkritik an der Tourismusfinanzierung in Österreich. Es geht um Wien. Und um die Frage, ob die Lasten in dieser Stadt noch dort liegen, wo auch der Nutzen tatsächlich entsteht.

4. Juli 2026 • 11:08 Uhr • KomRat Anton Wrann

Das ist der Punkt. In der Ferienhotellerie profitieren massiv die Lebensmittelkonzerne und der Lebensmittelgroßhandel, bringen aber weder personell und auch nicht angemessen zum Budget der jeweiligen Tourismusgesellschaften bei. es wäre einfach dies zu regeln, indem man beim Lebensmittelgroßhandel die Sonderöffnungszeiten nur jenen Geschäften zubilligt, welche sich touristisch engagieren.

Thomas Reisenzahn
5. Juli 2026 • 20:14 Uhr • Thomas Reisenzahn

In Wien gibt es – anders als in anderen Bundesländern – keine Tourismusabgabe, bei der auch jene Wirtschaftsbereiche einen Beitrag leisten, die vom Tourismus profitieren. Dadurch trägt die Beherbergungsbranche die volle Last.

Gernot Riedel
5. Juli 2026 • 21:50 Uhr • Gernot Riedel

@Thomas Reisenzahn – und genau da liegt meiner Meinung nach ja der Hund begraben, da gerade in einer (Tourismus)Metropole wie Wien massiver Nutzen für sehr viele Branchen durch den Tourismus entsteht…also wäre eine partizipative Abgabe ja mehr als gerechtfertigt, oder?

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