OeNB-Analyse: Tourismus bleibt starke Stütze der österreichischen Wirtschaft
Der österreichische Tourismus zeigt sich auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten bemerkenswert stabil. Trotz hoher Energiepreise, geopolitischer Unsicherheiten und internationaler Handelskonflikte bleibt die Branche ein wesentlicher Wachstumsmotor für die heimische Wirtschaft.
Laut der aktuellen Außenwirtschaftsanalyse der Oesterreichischen Nationalbank gaben ausländische Gäste 2025 rund 26 Mrd. EUR in Österreich aus. Mit einem positiven Saldo von 9,7 Mrd. EUR stützt der Tourismus die österreichische Leistungsbilanz wie kaum eine andere Branche.
Bemerkenswert ist die Robustheit dieser Entwicklung: Sie ist 2025 zustande gekommen, obwohl die preisliche Wettbewerbssituation durchaus angespannt ist. Dass die Einnahmen dennoch um 6,6 % gestiegen sind, spricht für die Anziehungskraft des Tourismusstandorts Österreich.
Herkunftsmärkte mit hoher Kaufkraft
Die durchschnittlichen Ausgaben liegen bei 222 Euro pro Gast und Nächtigung. Ein Wert, der die wirtschaftliche Bedeutung und Wertschöpfung jeder einzelnen Nächtigung verdeutlichen. Besonders ausgabefreudig zeigen sich Gäste aus der Schweiz, Italien und den USA:
- Schweiz: 407 Euro
- Italien: 348 Euro
- USA: 325 Euro
- Großbritannien: 242 Euro
- Deutschland: 196 Euro
Damit liegen insbesondere Schweizer Gäste deutlich über dem Durchschnitt und zählen weiterhin zu den kaufkräftigsten Urlauberinnen und Urlaubern in Österreich.
Deutschland bleibt wichtigster Markt
Auch wenn die Ausgaben deutscher Gäste unter dem Gesamtdurchschnitt liegen, bleibt Deutschland aufgrund des hohen Volumens der mit Abstand wichtigste Herkunftsmarkt: 44 % aller Nächtigungen ausländischer Gäste entfallen auf deutsche Urlauberinnen und Urlauber, die Reiseverkehrseinnahmen aus diesem Markt belaufen sich auf 11,5 Mrd EUR.
Differenzierter Blick auf die Fernmärkte
Gäste aus China geben in der OeNB-Auswertung durchschnittlich 194 Euro pro Nächtigung aus, jene aus den Vereinigten Arabischen Emiraten 186 Euro. Diese Makrodurchschnitte verdecken allerdings ein differenziertes Bild auf Segmentebene: Gästebefragungen wie T-MONA der Österreich Werbung zeigen seit Jahren, dass Urlaubsgäste aus dem arabischen Raum zu den ausgabenstärksten Segmenten überhaupt zählen – mit Tagesausgaben, die jene der genannten europäischen Märkte deutlich übertreffen. Für Destinationen mit Premium-Positionierung bleiben diese Märkte daher hochrelevant.
2026 – Hohe Unsicherheit und Chancen im Nahmarkt
Bei aller positiven Bilanz für 2025 ist wichtig festzuhalten: für das laufende Jahr wird mit einem spürbaren Rückgang der Gäste aus dem arabischen Raum und Asien gerechnet. Der Krieg im Nahen Osten verteuert Fernreisen und macht sie planungsunsicherer. Die Stabilität, die wir in den Zahlen für 2025 sehen, ist also keine Zusage für 2026. Krisenresilienz wird damit nicht zur Kür, sondern zur strategischen Priorität.
Hier besteht jedoch ein deutliches Substitutionspotenzial aus benachbarten europäischen Märkten. Die Nähe zu Österreich, gute Erreichbarkeit und hohe Qualität bleiben entscheidende Wettbewerbsvorteile für den heimischen Tourismusstandort. Für viele Betriebe eröffnet sich damit die Chance, gezielt jene Marktsegmente anzusprechen, die strukturell verlässlicher sind als Fernmärkte.

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