Hohe Arbeitsstückkosten gefährden die Wettbewerbsfähigkeit
Dienstleistungen im Tourismus zu erbringen, ist in Österreich zu einer strukturellen Herausforderung geworden.
Österreich zählt im Dienstleistungsbereich zu den Ländern mit den höchsten Arbeitsstückkosten in der Europäischen Union. Das ist ein strukturelles Problem, das zunehmend zur Belastung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit wird. Arbeitsstückkosten messen die Arbeitskosten pro Stunde im Verhältnis zur Produktivität. Steigen sie stärker als die wirtschaftliche Leistung, verliert der Standort an Attraktivität, vor allem in jenen Branchen, in denen die Wertschöpfung auf persönlicher Dienstleistung basiert.
Dienstleistungen unter Druck
Die Erbringung von Dienstleistungen ist in Österreich schlicht zu teuer geworden. In den vergangenen zehn Jahren sind die Arbeitsstückkosten hierzulande um rund 50 Prozent gestiegen, während der EU-Durchschnitt im selben Zeitraum lediglich um 37 Prozent zulegte. Ein Blick auf die europäischen Vergleichsdaten der Arbeitskosten pro geleisteter Stunde in touristischen Mitbewerberländern zeigt die Schieflage deutlich: Österreich liegt mit € 44,50 weit über Italien (€ 30,90), Spanien (€ 25,50), Frankreich (€ 25,50), Griechenland (€ 16,70) und Kroatien (€ 16,50).
Die operativen Ergebnisse können mit der Dynamik der Lohnkostensteigerungen nicht mehr Schritt halten
Die Lohnnebenkosten – also Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Umlagen und sonstige Abgaben – liegen deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Zusammen mit der hohen Lohnsteuerlast entsteht eine Gesamtbelastung, die den Faktor Arbeit strukturell verteuert. Für viele Betriebe im Tourismus und in der Hotellerie führt das zu einer spürbaren Verschlechterung der Betriebsergebnisse und zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Nachbarstaaten.
Ein Kostenapparat mit Systemfehler
Hohe Lohnkosten schaden dem Wirtschaftsstandort. In kaum einem anderen Land finanzieren Unternehmen über die Lohnsumme eine derart breite Palette staatlicher Aufgaben. Indem man nahezu alles im Faktor Arbeit versteckt, belastet man jene Branchen besonders stark, die auf Dienstleistung angewiesen sind, also genau das Rückgrat des österreichischen Tourismus und anderer „People Businesses“.
Seit Jahren versprechen aufeinanderfolgende Regierungen, den Faktor Arbeit endlich zu entlasten. Doch mehr als einige homöopathische Tarifsenkungen sind bisher nicht umgesetzt worden. Eine echte Reform? Dafür bräuchte es eine starke Regierung, die willens und in der Lage ist, tiefgreifende strukturelle Änderungen gegen erwartbare Widerstände durchzusetzen.
Strukturelle Gefahr für Beschäftigung und Qualität
Wenn der Unterschied zwischen Bruttolohn, Nettolohn und den zusätzlichen Arbeitgeberkosten weiterhin derart groß bleibt, wird Arbeit zunehmend durch Automatisierung ersetzt. Wo heute noch Mitarbeiter servieren oder Gäste betreuen, könnten künftig Selbstbedienungsautomaten und zusätzliche Ruhetage stehen. Das bedroht nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Qualität, die Österreichs Tourismus und Dienstleistungssektor auszeichnet.
Solange die Arbeitsstückkosten schneller steigen als die Produktivität, bleibt die internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Nur durch mutige Reformen kann der Standort seine Stärken in Qualität und Innovation bewahren und damit jene wirtschaftliche Basis sichern, auf der Wohlstand und Beschäftigung auch künftig ruhen sollen.
Das Konzept von Stückkosten je Stunde gemessen ist interessant, um welche Stücke handelt es sich da im Dienstleistungssektor?
Herrlich, Österreichs Dienstleistungen werden teurer, während wir unsere Mitbürger in Italien oder Griechenland mit € 44,50 pro Stunde begünstigen. Der Faktor Arbeit hierzulande scheint ein teures Systemfehler zu sein, das die Wettbewerbsfähigkeit zunichtemacht. Wahrscheinlich brauchen wir eine Regierung mit Superkräften, um diese strukturelle Gefahr für Jobs und Qualität zu bekämpfen. Sonst könnten wir bald von Roboter-Service in our own country träumen!
Bei „Stücken“ ist gemeint, dass es sich um Leistungseinheiten handelt – also das Verhältnis von Arbeitskosten zur Produktivität, das zeigt, wie teuer es ist, eine Einheit an Leistung zu erzeugen.
Arbeitsstückkosten: Das Verhältnis von Arbeitskosten zur Produktivität. Sie zeigen, wie teuer es ist, eine Leistungseinheit zu erzeugen.
Formel: Arbeitsstückkosten = Arbeitskosten / Arbeitsproduktivität
Arbeitskosten: Löhne, Gehälter und Arbeitgeberabgaben (z. B. Sozialversicherungsbeiträge).
Produktivität: Wirtschaftlicher Wert, der in einer Stunde Arbeit geschaffen wird.
Seit ungefähr vier Jahrzehnten wird von Unternehmern darauf verwiesen, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind. Es ist ja auch ausgesprochen dumm einen Steuergegenstand „Beschäftigungsverhältnis“ zu haben.
Eine Entlastung des Faktors Arbeit und dafür eine Belastung des Faktors „Resourcenverbrauch“ würde im Hinblick auf das Verfehlen der Klimaziele Sinn machen und personalintensiven Wirtschaftszweigen entgegenkommen.
Das erfordert allerdings einen Eingriff in ein bestehendes System und dafür braucht es Mut zu Veränderungen. Aber auch die derzeitige Regierung ist noch nicht durch beherztes Eingreifen aufgefallen. Problemzonen gibt es da zu Hauf: Förderalismus, Pensionen, Steuern, Bildung, Gesundheit . . .


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