BeyondSnow
Die ersten Schneeflocken sind in diesem Jahr auch in niedrigen Regionen sehr früh im Jahr gekommen. In vergangenen Jahren hat es die Erwärmung allerdings mit sich gebracht, dass in Schnee auch erst nach Weihnachten gefallen ist. Damit ist dann allerdings die Hauptsaison für manche Skidestinationen ins Wasser gefallen und konnte auch mit Beschneiung nicht immer wettgemacht werden. Mittelfristig ist wohl davon auszugehen, dass wir im Winter häufiger keine weißen Hänge sehen.
Da setzt die Initiative BeyondSnow an, die alpine Winterorte fit für die Zukunft machen will. Das EU-weite Forschungsprojekt will Wintersportorte in den Alpen gegenüber Auswirkungen des Klimawandels wappnen. Die Alpenregionen sollen auch künftig lebenswert bleiben – für Gäste ebenso wie für Einheimische.
Anhand von zehn Pilotregionen aus sechs Alpenländern wurde gemeinsam mit Experten an Konzepten gearbeitet, wie man auch bei weniger Schnee zukunftsfähig bleiben kann. Darauf aufbauend wurde ein digitales Tool entwickelt, das Tourismusdestinationen dabei unterstützen soll, passende Maßnahmen zu finden und letztendlich umzusetzen.
War es bisher ein EU-weites Sammeln von Ideen, neuen Zugängen und Schaffen eines Überblicks für die unterschiedliche Betroffenheit von Regionen, so kann es auch als eine Anregung für künftiges Handeln – nicht nur von Destinationen sondern auch von betroffenen Unternehmen – verstanden werden. Es soll uns stimulieren schon heute darüber nachzudenken wie Tourismus in den Alpentälern in 20 Jahren funktionieren kann. Jedenfalls ist die Anregung nützlich etwa bei Investitionen mit langfristiger Ausrichtung darüber zu befinden, ob diese auch dann vorteilhaft sind, wenn es einmal keinen oder verspäteten Schneefall gibt.
PS: Im letzten TP-Blogbeitrag weist Markus Redl darauf hin, wie sehr uns mittlerweile Beschneiungsanlagen helfen, stabile Pistenverhältnisse anzubieten aber auch wie erfolgreich die Bergbahnen teilweise in den Sommerbetrieb investiert haben.
Lieber Franz Hartl,
Ich melde mich gleich mal mit zwei Ergänzungen und einer Meinung dazu. BeyondSnow ist sicher ein wichtiges Interreg-Projekt, das wir im TourismusWissen-quarterly https://www.club-tourismus.org/tourismuswissen-quarterly/ in der Ausgabe 40 kurz angerissen und in Ausgabe 42 umfangreich mit Schwerpunkt Großer Arber beleuchtet haben.
In TWq 40 wird übrigens Österreichs Forscherin des Jahres 2024, die Glaziologin Andrea Fischer, so zitiert: …die technische Beschneiung sei die erste Erfolgsgeschichte unter den Adaptionsmaßnahmen bei Klimawandel.
Die momentane Gletscherschmelze sei wie der Temperaturanstieg zu rund drei Viertel der Menschheit anzulasten. Dass die Gletscher in unseren Breiten verschwinden werden, sieht sie schon als unumstößliche Tatsache. „Aber auch 2100 werden wir – auch ohne Gletscher – in den Alpen ab 1800 oder 2000 Meter noch Skifahren. Kaltluftseen könnten aber zusätzlich in tiefen Lagen für mehrere Wochen Minustemperaturen bringen.” Was schwieriger sei als die Gletscherentwicklung zu prognostizieren, sind Veränderungen in den Meeren und bei den Niederschlägen. „Eher unwahrscheinlich, aber es könnte sogar passieren, dass wir im Winter in 50 Jahren kältere Temperaturen und mehr Niederschläge haben. Modelle lassen da eine sehr große Bandbreite zu.”
Also während die globale Erwärmung oder besser Erhitzung eine Tatsache ist, sind Auswirkungen auf Niederschlagsentwicklungen und regionale Witterung eben nicht festzuschreiben. Zu meiner Meinung: Touristische Unternehmensmodelle auf ein in einem – wirtschaftlich – fernen Zeithorizont zu erwartendes Wetter aufzubauen ist eher fatal. Zumal es nicht um nur einen Betrieb geht, sondern einen Wirtschaftszweig, der in den betroffenen Regionen auch die verbliebene ökonomische Basis der Bevölkerung darstellt. In BeyondSnow dient als Berechnungsbasis übrigens die Höhenlage 500m bis 1400m, was ein wenig willkürlich erscheint. Wenig wird in den meisten Studien auch zwischen dem emotionalen Element Naturschnee („Wintermärchen“) und Schnee als Basis der Sportausübung auf unterschiedlich abschüssigen Wiesen unterschieden. Nur um noch eines klarzustellen: Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ökonomischen und sozialen Alternativen ist ebenso sinnvoll wie notwendig. Aber nicht unter der Drohung einer unmittelbar bevorstehenden Sinnlosigkeit des Geschäftsmodells Wintersport.
Das Geschäftsmodell Wintersport ist für Österreichs Tourismus ohne Zweifel von großer Wichtigkeit genauso wie Beschneiungsanlagen, die eine einigermaßen verlässliche Wintersaison auch dann sicherstellen, wenn uns Petrus einmal nicht geneigt ist.
Trotzdem gilt, dass es nicht DIE Lösung für alle Probleme ist, die uns in der Wintersaison begegnen. Was noch wenig artikuliert wird: Ein Teil unserer nicht immer zufriedenstellenden Rentabilität von Investitionen stammt aus Fehleinschätzungen der Entwicklung der Zukunft. Dazu gehören Lifte in nicht zukunftsfähigen Höhenlagen, manche teuren Frei- oder Hallenbäder auf Ortsebene, übergroße Wellnessanlagen oder Veranstaltungssäle, die kaum genutzt werden.
Meine Wortmeldung sei als Aufruf verstanden, gerade in mittleren Höhenlagen über die langfristigen Chancen einer Wintersaison kritisch nachzudenken oder etwa wie es das Vorarlberger Brandnertal macht, den Beschluss zu fassen nur mehr in den Ausbau der Sommersaison oder jene Bereiche der Wintersaison zu investieren, die keine geschlossene Schneedecke voraussetzen.
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