Was macht eine Tourismusregion resilient? Der Resilienz-Index liefert Antworten

Klimawandel, Arbeitskräftemangel, geopolitische Unsicherheiten – viele Herausforderungen treffen den Tourismus mit voller Wucht. Während manche Regionen rasch neue Wege finden, tun sich andere schwerer. Warum gelingt es einigen Tourismusverbänden besser, Krisen zu überstehen und gestärkt daraus hervorzugehen?

Eine mögliche Antwort liefert der Resilienz-Index, entwickelt im Interreg-Projekt Resilienter Tourismus. Er macht sichtbar, wie widerstandsfähig Tourismusregionen in Tirol, Salzburg und Oberbayern gegenüber äußeren Einflüssen sind – und zeigt, wo gezielte Maßnahmen ansetzen können.

Der Resilienz-Index für Tourismusverbände in Oberbayern, Salzburg und Tirol

Der Resilienz Index – Ergebnis von 18 Resilienz-Indikatoren aus 3 Dimensionen

Resilienz ist mehrdimensional – und jede Dimension zählt

Die Stärke des Resilienz-Index liegt in seiner ganzheitlichen Betrachtung:
Er vereint 18 Indikatoren aus drei Dimensionen – Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft. Erst ihr Zusammenspiel zeigt, wie robust und anpassungsfähig eine Destination tatsächlich ist.

Resilienz im Tourismus lässt sich dabei nicht auf wirtschaftlichen Erfolg reduzieren. Eine hohe Belegungsrate nützt wenig, wenn Umwelt oder Bevölkerung überlastet sind. Umgekehrt kann eine Region mit moderatem Tourismusaufkommen resilienter sein, wenn sie sozial verankert, ökologisch umsichtig und wirtschaftlich diversifiziert ist.

Ein Kompass – kein Ranking

Die Karten und Werte des Dashboards zeigen keine „Gewinner“ oder „Verlierer“, sondern bieten Orientierung. Ein hoher Indexwert weist auf Stärken hin, ein niedriger auf Handlungsfelder. Für Tourismusverbände heißt das: Ergebnisse reflektieren, Stärken ausbauen, Schwächen gezielt angehen – denn Zahlen erzählen nie die ganze Geschichte.

Viele Faktoren liegen außerhalb des direkten Einflusses eines Tourismusverbands – doch dort, wo Gestaltung möglich ist, kann viel bewirkt werden: Kooperationen fördern, Angebote saisonal diversifizieren, nachhaltige Infrastruktur stärken und die Bevölkerung aktiv einbinden.

Vom Wissen zum Handeln

Resilienz im Tourismus ist mehr als Krisenfestigkeit – sie ist die Fähigkeit, Wandel aktiv zu gestalten. Genau das verfolgt das Projekt Resilienter Tourismus mit einem praxisnahen Weiterbildungsangebot: dem Zertifikatslehrgang „Resilienzmanager:in im Tourismus“ an den Fachhochschulen Kufstein Tirol und Salzburg.

In nur zwei Semestern lernen Touristiker:innen, wie sie individuelle, betriebliche und regionale Resilienz stärken – von Krisenprävention über nachhaltige Destinationsentwicklung bis zu innovativen Netzwerken. Wer also den nächsten Schritt gehen möchte findet hier das passende Werkzeug.

14. Oktober 2025 • 18:01 Uhr • Margot Maaß

Das ist ein sehr spannendes Projekt. Danke für den Beitrag.
Als Resilienz- und Glückstrainerin sehe ich täglich, wie entscheidend die individuelle Resilienz der handelnden Personen ist – sei es in den Betrieben, im Tourismusverband oder in den Gemeinden selbst. Strukturen können nur so widerstandsfähig sein, wie die Menschen, die sie tragen. Resilienz im System beginnt daher immer auch bei den Menschen im System.

Wenn Mitarbeitende und Führungskräfte lernen, mit Stress, Veränderung und Komplexität gesund umzugehen, entsteht jene innere Stabilität, die kollektive Resilienz erst möglich macht.

Gerade deshalb ist Resilienz eine der zentralen Zukunftskompetenzen. In einer Welt, die sich stetig wandelt, entscheidet sie darüber, ob wir nur reagieren oder aktiv gestalten.

Aus meiner Sicht fehlt im Resilienz-Index daher ein wichtiger Faktor, nämlich: Wie resilient sind die Mitarbeiter:innen in der jeweiligen Region? Und eine spannende nächste Frage lautet: Wie unterstützen wir die Menschen darin, ihre persönliche Resilienz zu stärken?

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