Von weißen Bändern und weißen Flecken

Der meteorologische Winter ist da. In Österreich wird von West bis Ost mangelnder Naturschnee beklagt und dabei die berühmten weißen (Maschinenschnee-)Bänder in ansonsten grün-brauner Landschaft vorgeführt. Pickelharte, schmale Pisten stellen tatsächlich eine erhöhte Unfallgefahr dar, dessen ungeachtet könnten wir froh sein, dass die technische Beschneiung auch heuer wieder so gut funktioniert: Hier eine Diskussion zum Thema mit Ulrike Pröbstl-Haider und Ihrem Autor.

Was uns als Schneesportland schadet, ist eine verengte Sicht auf das große Thema der Transformation, in der wir uns im Wintertourismus – in Österreich bekanntlich ein Milliardengeschäft – befinden. Die Tirol Werbung hat in der aktuellen Ausgabe der SAISON mit Winter im Wandel einen lesenswerten Diskussionsbeitrag geleistet. Aber da geht noch mehr: Wir sollten schleunigst weiße Flecken in der Forschungslandkarte beseitigen.

1 Echtdaten zu Angebot und Nachfrage

Kaum eine Branche verfügt über mehr und bessere Daten als Skigebiete. Gleichzeitig wird medial das Schicksal von Kleinstskigebieten (wie zuletzt Graukogel oder Postalm) – vielfach ohne technische Beschneiung – thematisiert, ohne für Einordnung in den Gesamtkontext zu sorgen. Ähnlich verhält es sich mit naturschneearmen Saisonphasen: Welche Bedeutung haben diese für Angebot und (realisierte) Nachfrage? Die Zahlen, Daten und Fakten liegen vor, müssen „einfach“ aufbereitet werden.

Der Fachverband Seilbahnen führt über WEBMARK von Manova seit Jahrzehnten Statistik zu Branchendaten, insbesondere zu Skier Days und Kassenumsatz. Aber es wäre noch viel mehr möglich, insbesondere solche Daten mit dem Angebot an Aufstiegshilfen und Pisten (Pistenkilometer bzw. Pistenfläche) zu verknüpfen – diese halten die Skigebiete selbst bei Bergfex immer aktuell.

2 Wissenschaftlich fundierte Orientierungshilfe

Bereits in den frühen 2010er-Jahren hatten einige österreichische Bundesländer die alpS GmbH in Innsbruck mit „KlimTour“ genannten Projektstudien zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den jeweiligen Tourismus beauftragt. Die alpS GmbH ist ein Spin-off der Universität Innsbruck, dort lehrt und forscht mit Robert Steiger ein führender Experte im Bereich der Klimawandelanpassung von Skigebieten.

Die Schweiz verfügt mit dem Kompass Schnee über eine wissenschaftlich fundierte Orientierungshilfe, institutionell breit abgestützt. So etwas brauchen wir in Österreich auch:

Wie sieht der Winter in Zukunft aus? Was sind die Prognosen für den natürlichen Schnee? Was ist das Potential für die technische Beschneiung? Welche Anpassungsstrategien sind zielführend?

In Zusammenarbeit mit dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, MeteoSchweiz und dem Institut für Atmosphäre und Klima der ETH bieten Seilbahnen Schweiz, der Verein Schweizer Tourismusmanager und Schweiz Tourismus mit dem Kompass Schnee eine wissenschaftlich fundierte Orientierungshilfe zu den aufgeworfenen Fragen für die Schweizer Wintersportdestinationen an.

3 Alternative Methoden zur Nachwuchspflege

In wichtigen Märkten wie Deutschland, Benelux und Großbritannien finden sich jede Menge Skihallen und auch Trockenpisten, um ohne Berge und/oder Schnee den Skisport ausüben zu können. In Österreich gab es bisher einige Experimente mit Trockenpisten, zuletzt bei der Hohe-Wand-Wiese in Mauerbach, einer Anlage der Stadt Wien. Auch eine der ersten permanenten Skihallen der Welt stand in Wien, das ist allerdings bald 100 Jahre her.

Es ist hoch an der Zeit, dass wir im Schneesport neue methodische Wege gehen, speziell in Ballungsräumen Kinder und Jugendliche erreichen. Was ist internationaler Best Practise bei Skihallen? Wie kann der Transfer von der Trockenpiste auf Schnee funktionieren, wie das Potenzial von urbanen Sporträumen (man denke an Boulderhallen) auch für den Skisport genutzt werden?

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