Resilienz und Nachhaltigkeit gehören zusammen

Untersuchung in der Tiroler Hotellerie bestätigt Wechselwirkung

Klimawandel, Kosten- und Personaldruck, geopolitische Unsicherheiten: Hotelbetriebe in Tirol bewegen sich zunehmend in einem Umfeld, in dem klassische Effizienzlogiken allein nicht mehr ausreichen. Zukunftsfähigkeit entscheidet sich immer stärker daran, wie robust ein Betrieb auf Krisen reagieren kann und wie tragfähig seine ökologischen Praktiken sind.

Eine aktuelle Untersuchung im Rahmen des Projekts „Ressourcenallokation in Hotelbetrieben zur Steigerung von Resilienz und Nachhaltigkeit“ an der FH Kufstein Tirol, gefördert vom Land Tirol durch die Tiroler Nachwuchsforscher*innenförderung, liefert dazu erste belastbare Hinweise. Mit einer Online-Befragung (n = 56) wurde untersucht, wie Tiroler Beherbergungsbetriebe der 3- und 4-Sterne-Kategorie in Bezug auf betriebliche Resilienz und ökologische Nachhaltigkeit aufgestellt sind. Vertiefende Interviews mit sieben ausgewählten Betrieben machten unterschiedliche Umsetzungslogiken sichtbar.

Resilienz: Stark bei Infrastruktur – Entwicklungsbedarf beim Humankapital

Bei der Resilienz liegen die stärksten Ausprägungen im physischen Kapital: Modernisierte Infrastruktur, abgesicherte IT- und Kommunikationssysteme sowie laufende Instandhaltung sind in vielen Betrieben solide verankert.

Deutlich schwächer zeigt sich hingegen das Humankapital: Betriebliche Gesundheitsförderung, Notfall- und Krisenschulungen sowie strukturierte Reflexion von Krisenerfahrungen sind weniger etabliert.

Nachhaltigkeit: Schwerpunkt auf Müll und Energie – Biodiversitätsmaßnahmen selten

Im Bereich der der ökologischen Nachhaltigkeit sind Müllvermeidung sowie Energie-Themen (u.a. Effizienzmaßnahmen, erneuerbare Energie, E-Ladeinfrastruktur) am stärksten umgesetzt.

Weniger im Fokus stehen bislang Biodiversitätsmaßnahmen wie Flächenentsiegelung, Grünflächenerhalt, insektenfreundliche Beleuchtung oder die Vernetzung von Ökosystemen.

Nachhaltigkeit stärkt Resilienz – und umgekehrt

Besonders relevant für die Praxis ist der Zusammenhang zwischen den beiden Themen: Hotels mit höheren Nachhaltigkeitswerten weisen tendenziell auch höhere Resilienzwerte auf. In der Analyse zeigt sich: Steigt der Nachhaltigkeitsindex, steigt im Mittel auch der Resilienzindex.

Dieser Befund weist auf eine strukturelle Wechselwirkung hin: Nachhaltige Betriebspraktiken fördern die Stabilität gegenüber Krisenereignissen und umgekehrt. Nachhaltigkeitsmaßnahmen können Abhängigkeiten reduzieren, stabile Strukturen schaffen und damit die Krisenfestigkeit stärken. Resiliente Organisationen wiederum sind in der Lage, nachhaltige Strategien auch unter Belastungen weiterzuführen und bei Bedarf anzupassen.

Was erfolgreiche Betriebe anders machen

In den vertiefenden Interviews zeigen sich zwei typische Muster:

  • Weniger nachhaltige Betriebe behandeln Nachhaltigkeit oft als Add-on: Abhängig vom Budget, eher reaktiv und wenig strategisch verankert.
  • Sehr nachhaltige Betriebe integrieren Nachhaltigkeit in die Unternehmenskultur und Entscheidungsprozesse: Mitarbeitende werden aktiv eingebunden, Ressourcen gezielt ausgerichtet und regionale Kooperationen systematisch genutzt.

Ähnliche Unterschiede finden sich bei der Resilienz:

  • Besonders resiliente Betriebe verfügen häufig über stabile Teams, solide Finanzstrukturen und dichte regionale Netzwerke.
  • Weniger resiliente Betriebe setzen stärker auf kurzfristige Prozessoptimierung. Krisenvorsorge und Reflexionsroutinen sind seltener systematisch verankert.

Praxisimpulse

Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von Hotelbetrieben ist die Frage, wie Ressourcen strategisch gebündelt und aufeinander abgestimmt werden – insbesondere immaterielle Ressourcen wie Wissen, Kultur und Netzwerke. Zentral ist dabei stets der Faktor „Mensch“: Kompetente und engagierte Mitarbeitende sind maßgeblich für die wirksame Verankerung nachhaltiger Praktiken und die Handlungsfähigkeit im Krisenfall; Regionale Partner:innen reduzieren Abhängigkeiten, wirken stabilisierend und schonen Ressourcen.

Wesentlich ist außerdem der Übergang von einer reaktiven zu einer proaktiven Haltung – das heißt, Resilienz und Nachhaltigkeit vorausschauend als Führungs- und Steuerungsthema zu verankern. Folgende fünf Ansatzpunkte lassen sich daraus für die Praxis ableiten:

  1. Resilienz und Nachhaltigkeit strategisch zusammenführen;
  2. Mitarbeiterkompetenzen durch Schulungen und Beteiligungsformate gezielt stärken;
  3. Regionale Kooperationen ausbauen;
  4. Krisen- und Umsetzungserfahrungen systematisch reflektieren und in konkrete Verbesserungen übersetzen;
  5. Förderprogramme und finanzielle Anreize aktiv nutzen.

Fazit

Die Ergebnisse legen nahe: Resilienz und ökologische Nachhaltigkeit sind kein „entweder-oder“, sondern gegenseitige Verstärker. Wer Nachhaltigkeit strategisch verankert, schafft oft gleichzeitig die Grundlage für mehr Stabilität und Krisenfestigkeit – und wer resilient organisiert ist, kann ökologische Ziele auch dann verfolgen, wenn der betriebliche Druck steigt.


Weitere Infos zum Thema „Resilienz im Tourismus“:

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