Generation Zielgruppe sucht Einkommen

Es ist eine schöne Ironie unserer Zeit: Ganze Branchen haben über Jahre viel Geld, Zeit und Marktforschung investiert, um die Generation Z besser zu verstehen. Was bewegt sie? Was kauft sie? Wie reist sie? Welche Werte hat sie? Wie spricht man sie an, ohne wie ein Versicherungsfolder mit TikTok-Account zu klingen?

Diese Generation wäre vielleicht sogar bereit zu kaufen. Reisen zum Beispiel. Erlebnisse. Gastronomie. Hotellerie. Nur braucht es dafür ein Detail, das in vielen Strategien gerne übersehen wird: Einkommen. Denn während Marketingabteilungen Zielgruppenmodelle verfeinern, bauen Unternehmen genau jene Einstiegspositionen ab, über die junge Menschen bisher in Arbeit, Erfahrung und Kaufkraft gekommen sind. Künstliche Intelligenz wird dabei oft als Effizienzgewinn gefeiert. Und ja, sie kann Arbeit erleichtern, Prozesse beschleunigen und monotone Aufgaben übernehmen. Das ist nicht das Problem.

Das Problem beginnt dort, wo Unternehmen glauben, man könne Junior-Positionen einfach wegrationalisieren, ohne die langfristigen Folgen zu spüren. Wer heute keine Berufseinsteiger mehr ausbildet, hat morgen keine erfahrenen Fachkräfte. Wer junge Menschen nicht beschäftigt, darf sich später nicht wundern, wenn sie als Kundinnen und Kunden ausfallen. Man kann eine Generation nicht gleichzeitig als Zukunftsmarkt behandeln und ihr den Zugang zur wirtschaftlichen Gegenwart erschweren.

Dass der Berufseinstieg für junge Menschen schwieriger wird, ist längst mehr als ein Gefühl. In der Steiermark meldete der ORF Anfang Mai 2026, dass von 1.350 zusätzlich arbeitslosen Personen 811 über einen akademischen Abschluss verfügten; die Arbeitslosigkeit unter Akademikerinnen und Akademikern stieg damit deutlich. Gleichzeitig berichtete die WirtschaftsWoche Anfang Juni von einem Rückgang der Stellen für Young Professionals um 30 Prozent seit 2022. Wer also Generation Z als Zielgruppe bearbeitet, sollte sich vielleicht auch dafür interessieren, ob diese Generation überhaupt noch zuverlässig in Einkommen kommt.

Gleichzeitig erwarten wir, dass junge Menschen reisen, konsumieren, bewerten, empfehlen und idealerweise dabei auch noch authentisch begeistert aussehen. Natürlich gibt es Branchen wie den Tourismus, in denen weiterhin Personal gesucht wird. Doch offene Stellen allein ersetzen keine durchdachten Einstiegswege, keine Ausbildung und keine realistische Perspektive.

Vielleicht müssten wir weniger darüber nachdenken, wie man an Generation Z besser verkauft — und mehr darüber, wie man ihr ermöglicht, überhaupt kaufen zu können.

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