Zwischen Produktivität und Überforderung: 5 Fragen zur KI

Nach der ersten Welle von KI-Pilotprojekten zeigt sich ein gemischtes Bild: messbare Effizienzgewinne auf der einen Seite, wachsende Komplexität und Technostress auf der anderen. Der Unterschied zwischen „produktiver KI“ und „belastender KI“ entscheidet sich weniger an der Technologie – sondern an den Fragen, die sich Betriebe und Destinationen vor der Einführung stellen. Dazu habe ich an dieser Stelle im Beitrag https://tp-blog.at/digitalisierung-robotik-ki/ki-im-tourismus-produktivitaetsschub-oder-neue-belastungsfalle unterschiedliche Aspekte beleuchtet. Doch wichtig ist mir klar zu stellen, welche fünf Fragen sich touristische Betriebe und Destinationen stellen sollten.

Wo entstehen die größten Reibungsverluste? Ohne schonungslose Bestandsaufnahme wird KI leicht zum teuren Feigenblatt für Probleme, die eigentlich Prozess- oder Führungsfragen sind.

Was davon ist wirklich ein KI-Thema? Nicht jede Reibung lässt sich mit KI lösen. Manche Themen brauchen zuerst klare Zuständigkeiten, andere profitieren eher von Standards und Schulungen als von Automatisierung.

Wer gewinnt – und wer bekommt mehr Last? Führungskräfte sehen oft Effizienzgewinne, Mitarbeitende dagegen zusätzliche Kontroll- und Lernarbeit. Wer das nicht ausgleicht, riskiert KI als „oben entschieden, unten erlitten“ zu erleben.

Wie sprechen wir intern über Ziele und Grenzen? Technostress sinkt deutlich, wenn transparent kommuniziert wird, welche Aufgaben KI bewusst nicht übernehmen soll und wo der menschliche Kontakt im Vordergrund bleibt.

Welche Daten nutzen wir – und wem gehören sie in fünf Jahren? Ohne klare Governance landet ein großer Teil der Wertschöpfung und Datenhoheit bei Plattformen – nicht bei Betrieben und Destinationen.

Basierend auf diesen fünf Fragen ist es sinnvoll, individuelle Checklisten zu erstellen, um die beiden Möglichkeiten abzuklären:

A) Produktiv. So schafft KI mehr Luft: Klare Ziele und Kennzahlen statt Innovations-Symbolik. Definierte Prozesse mit Zuständigkeiten und Fallback auf menschliche Entscheidung. Mitarbeitende frühzeitig einbeziehen. Tools gemeinsam beschaffen,  Einzellösungen vermeiden. Governance-Fragen explizit klären.

B) Belastend. Wenn Technik schneller wächst als Haltung: KI wird eingeführt, „weil man das jetzt halt so macht“. Prozesse bleiben unverändert. Mitarbeitende erfahren von neuen Anwendungen über Anweisungen statt über Ziele. Kein Überblick über Datenflüsse.

Vom Check zur Praxis

Der Mehrwert entsteht nicht im Lesen, sondern im gemeinsamen Durchgehen – eine DMO mit ihren Leistungsträgern, ein Hotel mit dem Führungsteam, ein Verband als Rahmen für Beratung und Förderkriterien. OECD, ETC und WTTC empfehlen genau diesen Schritt: von der Tool-Ebene zu strategischen Rahmenwerken, die Produktivität, Resilienz und Datenhoheit gleichermaßen adressieren.

Denn  die entscheidende Frage der nächsten Jahre lautet nicht: „Wer hat die innovativsten KI-Projekte?“ Sondern: „Wer schafft es, KI so einzusetzen, dass Menschen, Betriebe und Destinationen am Ende mehr Luft, mehr Qualität und mehr Gestaltungsspielraum haben – statt nur mehr Technik?“

10. April 2026 • 16:22 Uhr • Alex Pesjak

Hallo, herzlichen Dank für deine Gedanken. Es ist wie immer was man daraus macht und ob man dafür bereitet ist…

Aber natürlich auch, ob man ein AI-System einführt oder lose aneinandergereiht Workflow automatisiert. Ersteres bringt drei Dinge:

1/ Reto Minimierung durch Compliance
2/ Aktivität durch eingebettete Abläufe
3/ einen wachsenden Datenpool

Own your intelligence.

Meine persönlichen Erfahrungen sind sehr gut, wenn man vor allem einen guten Mix aus universellen use cases, vertikalen und custom Use cases einsetzt

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