Wer kann sich das Skifahren noch leisten?
Skiticketpreise steigen 50% schneller als der VPI!
So wie jedes Jahr ist auch jetzt die Debatte bereits retour: „Wie stark werden die Skiticketpreise diesen Winter ansteigen? Ist dieser Anstieg gerechtfertigt?“ Oder es wird gefragt: „Wer kann sich das Skifahren eigentlich noch leisten?“ Die Leser des TP-Blogs sind natürlich früher dran und bekommen bereits heute einen Einblick in die konkreten Daten. Hier geht es allerdings nicht um ein kurzsichtiges Skigebiets-Bashing, sondern um eine tiefgründige Analyse der Entwicklung in Österreich und am Weltmarkt.
Abb. 1: Die Preisentwicklung für eine Skitageskarte in Österreich von 1990/91 bis 2026/27. Abgebildet ist ein Preiskorb von 11 Skigebieten. Daten und Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.
Kapitel 1: Österreich. Die Preise steigen schneller als der VPI
Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Tageskartenpreises für Erwachsene (Hauptsaison, ohne Reduktionen) in einem Preiskorb von 11 österreichischen Skigebieten. Der Preis in der Saison 1990/91 betrug umgerechnet ca. EUR 22,10 – im Winter 2026/27 wird er EUR 78,60 betragen. Werfen wir einen Blick in die Statistik der jüngeren Vergangenheit:
- Der Anstieg zum letzten Winter beträgt EUR 3,20 bzw. 4,2 Prozent. Hingegen ist der Verbraucherpreisindex (VPI) im Jahresvergleich lediglich um 3,2 Prozent angestiegen.
- Geht man vier Jahre zurück (bis 2022/23), beträgt der Preisanstieg EUR 17,00 bzw. 27,6 Prozent. Der VPI stieg im selben Zeitraum „lediglich“ um 18,1 Prozent. Die Skiticketpreise sind also in den vergangenen vier Jahren um mehr als 50 Prozent schneller angestiegen als der VPI.
- Geht man 10 Jahre zurück (bis 2016/17), beträgt der Preisanstieg 30,10 Euro bzw. 62,1 Prozent. Der VPI stieg seither um 43,1 Prozent. Die Skiticketpreise stiegen in den vergangenen 10 Jahren um 44 Prozent schneller an als der VPI.
- Die Entwicklung der Löhne, Gehälter und Pensionen ist eng an den VPI angelehnt. Nicht nur in Österreich, sondern auch in den wichtigen Quellmärkten für den österreichischen Skitourismus – beispielsweise in Deutschland oder den Niederlanden. Es ist offensichtlich, dass die Preise für das Skifahren den Löhnen und Gehältern davongaloppieren.
- Auch die Unterkünfte und die Gastronomie haben erhebliche Preisanstiege erlebt. Nur sind diese Preise intransparent und damit schwerer vergleichbar als die Skiticketpreise.
Nun könnte man glauben, dass diese Entwicklung zu einer fortschreitenden Entvölkerung von Österreichs Skipisten führen würde. Das trifft allerdings nicht zu, wie der Chart zur Entwicklung der Skifahrertage (= Skier Visits) seit dem Winter 2000/01 zeigt. Wir erkennen über die vergangenen 26 Jahre eine Seitwärtsbewegung. Der lineare Trend verweist sogar auf eine Zunahme der Skifahrertage, jedoch ohne statistische Signifikanz.
Anmerkung: Der Chart klammert die „Covid-Saisonen“ 2019/20 bis 2021/22 aus, weil die Entwicklungen dieses externen singulären Ereignisses den Blick auf die lange Zeitreihe trüben.
Abb. 2: Die Entwicklung der Skifahrertage in Österreichs Skigebieten von 2000/01 bis 2025/26. Die drei Corona-Winter sind nicht im Chart integriert. Daten: WKO – Fachverband der Seilbahnen. Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.
Schlussfolgerungen mit nationalem Blick
- Die Luxurisierung des Skifahrens schreitet ungebremst voran. Es nützt weder, diese Entwicklung zu dramatisieren, noch sie zu verharmlosen. Die Fakten liegen auf dem Tisch und sollten von allen Marktteilnehmern anerkannt werden.
- Das Galoppieren der Preise hängt mit einer enormen Steigerung der Qualität zusammen. Nirgendwo auf der Welt hat der Skitourismus in den vergangenen Jahrzehnten solch eine Qualitätsoffensive erlebt wie in Österreich und Südtirol.
- Kostentreiber Beschneiung: Eine aktuelle wissenschaftliche Studie belegt, dass die Kosten der Beschneiung mehr als 20 Prozent der Gesamtkosten eines Skigebietes ausmachen.
- Das Suchen von Sündenböcken ist zwecklos. Die Skigebiete werden vom Markt getrieben. Die teuersten Skigebiete, die zugleich am großzügigsten modernisiert haben, werden am besten besucht. Leistbare Skigebiete, welche wenig investiert haben, werden vom Markt abgestraft. Und der Markt betrifft alle: Du und ich, wir sind „der Markt“.
- Die allermeisten Skigebiete stehen finanziell unter Druck und müssen die Preiserhöhungen in dieser Dimension ansetzen. Es ist ein Irrglaube, eine berühmte „urban legend“, dass sich die Skigebiete auf unverschämte Weise die Taschen vollstopfen würden. Die meisten erfolgreichen Skigebiete, die ich kenne, zahlen keine Gewinne an ihre Anteilseigner aus, stattdessen wird jeder mögliche Euro reinvestiert. Zwei prominente Beispiele: Die Silvrettaseilbahn AG in Ischgl (Gründung: 1961) hat seit ihrem Bestehen keinen einzigen Schilling oder Euro an ihre Anteilseigner ausbezahlt – ebenso wie die Bergbahn AG Kitzbühel in den vergangenen mehr als 30 Jahren.
- Die Preisentwicklung von 6-Tages-Karten unterscheidet sich kaum von der Preisentwicklung der Tageskarten. Skitouristen müssen somit die gesamte Wucht der Preiserhöhungen stemmen, denn Abfederungsmaßnahmen kann die „Skination“ Österreich nur im Inland durchführen. Plastisches Beispiel: Nur wenn sich eine Familie aus Amsterdam den Skiurlaub in Zukunft noch leisten kann, können wir sie weiterhin in Österreich begrüßen. Niemand würde in den Niederlanden jemals zugunsten des Skifahrens in den Markt eingreifen.
- Einheimische in Österreich sowie zum Teil Vielfahrer aus dem Ausland können hingegen von verschiedenen Modellen profitieren – zum Beispiel von sogenannten „Sportpässen“, „Freizeittickets“ oder von Saisonkarten. Diese gibt es regional (im Skigebiet) und überregional (z. B. „Snow Card Tirol“). Die Preisentwicklung der Saisonkarten ist seit Jahrzehnten deutlich langsamer als jene der Tageskarten.
Kapitel 2: Ein Blick in die weite Welt überrascht
Die heimischen Skigebietsbetreiber kontern dem allgemeinen Missmut über die Preisentwicklung mit dem Hinweis, dass auch die Qualität der österreichischen Skigebiete überdurchschnittlich stark gestiegen sei und dass Österreich auf dem Weltmarkt ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen könne. Wir sehen uns in einer kleinen Reise rund um die Skiwelt die jeweils teuerste Tageskarte je Land an:
- Österreich: EUR 86,50. Sölden.
- Italien: EUR 89,00. Dolomiti Superski.
- Schweiz: ca. CHF 116,00 (EUR 125). Matterhorn Ski Paradise Zermatt / Cervinia. Achtung: Stark verschleierte Preise durch Dynamic Pricing.
- USA: ca. USD 374,00 (EUR 323). Vail, Beaver Creek, Steamboat Springs, Park City. Achtung: Stark verschleierte Preise durch Dynamic Pricing.
Schlussfolgerungen mit globalem Blick
- Österreichs Premium-Skigebiete bieten im internationalen Vergleich ein beinahe unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Als Folge davon nimmt der Anteil von Skigästen aus aller Welt auf Österreichs Pisten zu. Wir sind ex aequo mit Frankreich das zweitwichtigste Skitourismusland der Welt – nur die USA liegen vor uns. Unter Berücksichtigung der Größe des Landes und der Einwohnerzahl kann man mit Fug und Recht behaupten: Österreich ist Skitourismusweltmeister.
- Salopp gesagt ist es auf Österreichs Skipisten ähnlich wie beim Münchner Oktoberfest: Die Zelte sind so voll wie eh und je, nur die Zusammensetzung des Publikums hat sich verändert. Münchner oder Einheimische aus der näheren Umgebung, welche sich die „Wiesn“ nicht mehr leisten können oder wollen, werden durch Oktoberfest-Fans aus der ganzen Welt ersetzt. Ähnliches sehen wir auf den Skipisten unserer Premium-Skigebiete.
- Jene Skigebiete, welche nicht von der starken internationalen Nachfrage profitieren können, werden es in Zukunft schwer haben, denn der heimische Markt wird weiterhin eher auf Sparflamme kochen. In diese Kategorie fallen (leider) viele kleine und mittelgroße Skigebiete.
- Es sieht so aus, als ob wir uns die Preisvergleiche in Zukunft sparen können, weil die Skigebiete zunehmend tiefer in das sogenannte „Dynamic Pricing“ eintauchen. Am Ende wird es wie bei den Flugreisen sein: Niemand weiß, was ein Flug von München nach New York kostet. Der Preis kann 400 Euro betragen oder vielleicht auch 1.600 Euro. Wer weit im Voraus seine Skitickets bucht, ohne zu wissen, wie viel Schnee liegen, wie das Wetter sein oder ob ein Familienmitglied krank bzw. nicht pistentauglich sein wird, kann diese günstig bekommen.
- Nirgendwo ist das Skifahren so teuer wie in den USA. Dort haben sich interessante Trends entwickelt: 1) Das Skifahren boomt so stark wie noch nie zuvor. 2) Dynamic Pricing macht den Markt für Tageskartenpreise intransparent. 3) Skigebiete bieten relativ günstige Saisonkarten an: Diese geben den Vielfahrern („heavy user“) sowohl ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis als auch Preistransparenz.
FAZIT
- Es ist offensichtlich, dass die Preise für das Skifahren den Löhnen und Gehältern davongaloppieren. Die schleichende Luxurisierung des Skifahrens ist zu bedauern. Es gibt dabei jedoch keine „Schuldigen“. Zwar bringt die Sündenbockdebatte mediale Klicks und politisches Kleingeld, letztlich ist sie aber weder hilfreich noch von inhaltlicher Substanz. Wir sind mit einer globalen Entwicklung konfrontiert, die man zwar lokal durch Maßnahmen abfedern, jedoch nicht verhindern kann.
- Im globalen Vergleich bieten Österreichs Premium-Skigebiete ein beinahe unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Sowohl in Österreich als auch global ist der Skitourismus seit dem Jahr 2000 gewachsen. Wir stehen weltweit derzeit bei 399 Millionen Skier Visits (= Erstzutritte) pro Jahr, in Österreich sind es etwa 54 Millionen.
- Das Fallbeispiel USA zeigt, dass selbst die dortigen „Mondpreise“ den Skitourismus nicht zum Erliegen bringen konnten. Im Gegenteil: Noch nie zuvor in der Geschichte der USA wurde so viel Ski gefahren wie in den vergangenen 5 Jahren. Wir beobachten dabei einen Trend zum Dynamic Pricing bei Tages- wie Mehrtageskarten und damit einhergehend eine zunehmende Intransparenz der Preise.
- Wie sich der Skitourismus in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Unsere Gesellschaft ändert sich permanent, nicht zuletzt angetrieben durch die Digitalisierung – und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind schwierig. Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn der im deutschsprachigen Raum dominante Pessimismus zur Zukunft des Skifahrens und des Skitourismus von der globalen Realität überholt wird.
Quellen
Aigner, G. (2026). Cost Structure, Resource Consumption and Greenhouse Gas Emissions of Snowmaking and Slope Preparation. Konferenzbeitrag (Vortrag) bei der Regional Mountain Conference (RMC) in Obergurgl am 6. Juli 2026.
Statistik Austria (2026). Wertsicherungsrechner Verbraucherpreisindex. Link: https://www.statistik.at/Indexrechner/#/vpi/wsr
WKO – Fachverband der Seilbahnen in Österreich (2026). Die Daten zu den österreichischen Skier Visits sind nicht online verfügbar, sondern wurden per E-Mail angefragt.
ZUKUNFT SKISPORT (2026). Preisentwicklung für eine Skitageskarte in Österreich. Mittlerer Preis in 11 österreichischen Skigebieten. Eigene Recherchen von ZUKUNFT SKISPORT durch jahrelangen Austausch mit den Skigebieten.


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