Steigende Preise: Wer kann sich das Skifahren noch leisten?
Jedes Jahr im Herbst kommt die Debatte: „Wie stark werden die Skiticketpreise diesen Winter ansteigen? Ist dieser Anstieg gerechtfertigt?“ Oder es wird gefragt: „Wer kann sich das Skifahren eigentlich noch leisten?“ Schauen wir uns die aktuelle Entwicklung gemeinsam an.
Abb. 1: Die Preisentwicklung für eine Skitageskarte in Österreich von 1990/91 bis 2025/26. Abgebildet ist ein Preiskorb von 11 Skigebieten. Daten und Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.
Schneller als der VPI
Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Tageskartenpreises für Erwachsene (Hauptsaison, ohne Reduktionen) in einem Preiskorb von 11 österreichischen Skigebieten. Der Preis in der Saison 1990/91 war umgerechnet ca. EUR 22,10. Der Preis im Winter 2025/26 wird EUR 75,40 betragen. Werfen wir einen Blick in die Statistik der jüngeren Vergangenheit:
- Der Anstieg zum letzten Winter beträgt 3,30 Euro bzw. 4,6 %. Hingegen ist der Verbraucherpreisindex (VPI) im Jahresvergleich lediglich um 3,6 % angestiegen.
- Betrachtet man die vergangenen 10 Jahre, so steht einem VPI-Anstieg von 38,9 % die Preiserhöhung der Tageskarten von 59,9 % gegenüber. Die Skiticketpreise sind also in den vergangenen 10 Jahren mehr als 50 % schneller angestiegen als der VPI.
- Die Entwicklung der Löhne, Gehälter und Pensionen ist direkt und indirekt an den VPI angelehnt. Nicht nur in Österreich, sondern auch in den wichtigen Quellmärkten für den österreichischen Skitourismus – beispielsweise in Deutschland oder den Niederlanden. Es ist offensichtlich, dass die Preise für das Skifahren den Löhnen und Gehältern davongaloppieren.
- Auch die Unterkünfte und die Gastronomie haben erhebliche Preisanstiege erlebt. Nur sind diese deutlich schwerer vergleichbar als die Skiticketpreise.
Nun könnte man glauben, dass diese Entwicklung zu einer fortschreitenden Entvölkerung von Österreichs Skipisten führen würde. Das trifft allerdings nicht zu. Die Skifahrertage (= Skier Visits) zeigen seit dem Winter 2000/01eine Seitwärtsbewegung. Im linearen Trend ergibt sich sogar ein Trend zu einer Zunahme der Skifahrertage, jedoch ohne statistische Signifikanz.
Abb. 2: Die Entwicklung der Skifahrertage in Österreichs Skigebieten von 2000/01 bis 2024/25. Die drei Corona-Winter sind nicht im Chart integriert. Daten: WKO – Fachverband der Seilbahnen. Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.
Schlussfolgerungen
- Die Luxurisierung des Skifahrens schreitet ungebremst voran. Es nützt weder, diese Entwicklung zu dramatisieren, noch sie zu verharmlosen. Die Fakten sind ersichtlich und alle Marktteilnehmer tun gut daran, sich der Realität anzunähern.
- Das allseits beliebte Suchen und Finden von Sündenböcken ist bei vielen gesellschaftlichen Themen verpönt, scheint beim Skitourismus jedoch kein ethisches Problem darzustellen. Zu Unrecht: Die allermeisten Skigebiete stehen finanziell unter großem Druck und müssen die Preiserhöhungen in dieser Dimension ansetzen. Es ist ein Irrglaube, eine berühmte „urban legend“, dass sich die Skigebiete auf unverschämte Weise die Taschen vollstopfen würden. Die meisten erfolgreichen Skigebiete, die ich kenne, zahlen keine Gewinne an ihre Anteilseigner aus, stattdessen wird jeder mögliche Euro reinvestiert. Zwei prominente Beispiele: Die Silvrettaseilbahn AG in Ischgl (Gründung: 1961) hat seit ihrem Bestehen keinen einzigen Schilling oder Euro an ihre Anteilseigner ausbezahlt – ebenso wie die Bergbahn AG Kitzbühel in den vergangenen mehr als 30 Jahren.
- Die Preisentwicklung von 6-Tages-Karten unterscheidet sich kaum von der Preisentwicklung der Tageskarten. Skitouristen müssen somit die gesamte Wucht der Preiserhöhungen stemmen, denn Abfederungsmaßnahmen kann die „Skination“ Österreich nur im Inland durchführen. Niemand würde in den Niederlanden jemals zugunsten des Skifahrens in den Markt eingreifen.
- Einheimische in Österreich sowie zum Teil auch Vielfahrer aus dem Ausland können hingegen von verschiedenen Modellen profitieren, zum Beispiel von sogenannten „Sportpässen“, „Freizeittickets“ oder von Saisonkarten – diese gibt es regional (im Skigebiet) und überregional (z. B. „Snow Card Tirol“). Die Preisentwicklung der Saisonkarten ist seit Jahrzehnten deutlich langsamer als jene der Tageskarten.
Ein Blick in die weite Welt überrascht
Die heimischen Skigebietsbetreiber kontern dem allgemeinen Missmut über die Preisentwicklung mit dem Hinweis, dass auch die Qualität der österreichischen Skigebiete überdurchschnittlich stark gestiegen sei und dass Österreich auf dem Weltmarkt ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen könne. Wir sehen uns in einer kleinen Reise rund um die Skiwelt die jeweils teuerste Tageskarte je Land an:
- Österreich: EUR 83,00. Sölden.
- Italien: EUR 86,00. Dolomiti Superski.
- Schweiz: ca. CHF 110,00 (EUR 117,30). Matterhorn Ski Paradise Zermatt / Cervinia. Achtung: Stark verschleierte Preise durch Dynamic Pricing.
- USA: ca. USD 350,00 (EUR 300,40). Vail, Beaver Creek, Steamboat Springs, Park City. Achtung: Stark verschleierte Preise durch Dynamic Pricing.
FAZIT
Es ist offensichtlich, dass die Preise für das Skifahren den Löhnen und Gehältern davongaloppieren. Ich bedauere die schleichende Luxurisierung des Skifahrens. Es gibt dabei jedoch keine „Schuldigen“. Zwar bringt die Sündenbockdebatte mediale Klicks und politisches Kleingeld, letztlich ist sie aber weder hilfreich noch von inhaltlicher Substanz. Wir sind mit einer globalen Entwicklung konfrontiert, die man zwar lokal durch Maßnahmen abfedern, jedoch nicht verhindern kann.
Das Fallbeispiel USA zeigt, dass selbst die dortigen „Mondpreise“ den Skitourismus nicht zum Erliegen bringen konnten. Im Gegenteil: Noch nie zuvor in der Geschichte der USA wurde so viel Ski gefahren wie heute. Wir beobachten dabei einen Trend zum Dynamic Pricing bei Tages- wie Mehrtageskarten und damit einhergehend eine zunehmende Intransparenz der Preise. Als Gegentrend boomt der Kauf von (überregionalen) Saisonkarten, welche günstige Preise und Preistransparenz für „Heavy User“ bringen – dies könnte ein Vorbote für die Entwicklung in den Alpen sein.
Wie sich der Skitourismus in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Unsere Gesellschaft ändert sich aktuell rasant, nicht zuletzt durch die Digitalisierung – und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind schwierig. Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn der im deutschsprachigen Raum dominante Pessimismus zur Zukunft des Skifahrens und des Skitourismus von der globalen Realität überholt wird.
Die Tagesticketpreise für Skikarten sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – nicht zuletzt aufgrund der inflationsbedingt höheren Energie- und Betriebskosten.
Dabei ist auch das dynamische Preismodell in vielen Skigebieten angekommen: Je nach Wochentag, Buchungszeitpunkt und Auslastung können Skifahrer von günstigeren Tarifen profitieren. Wer flexibel ist und frühzeitig bucht, hat gute Chancen, ein attraktives Ticketangebot zu finden.
Wichtig für die Beurteilung der Entwicklung der Preise für Ski Tageskarten wären Vergleiche mit anderen Produkten. Seit 1990 bis zum Winter 2022/23 lag die Preiserhöhung für die Rezeptgebühr über jener der Entwicklung der Preise für Ski Tageskarten. Mit dem heurigen Winter hat die Preisentwicklung dieser beiden Produkte etwa gleich gleichgezogen.
Die höhere Steigerung bei den Liftpreisen in den letzten beiden Jahren ist aber deutlich geringer, als zum Beispiel die Preisentwicklung bei Lebensmitteln oder Energie, also Produkten des täglichen Bedarfs!
Wer Skifahren will, kann sich das auch heute leisten.
Die Schneeverhältnisse haben sich geändert, die Angebote am Freizeitmarkt haben sich in diesem Zeitraum verdoppelt, wir haben die erste Eltern Generation die nicht mehr – zum Beispiel bei Schulskikursen – Skifahren gelernt hat und diesen Sport daher ihren Kindern nicht mehr weitergegeben hat.
Der Ausstieg aus dem Skilauf in Großstadt nahen Skigebieten – vor allem im Osten Österreichs – ist in erster Linie ein emotionaler. Die Preise spielen auch eine Rolle, aber anderes – wie zum Beispiel die Anschaffung von Laptops, Handys oder Spielkonsolen für Kinder, aber auch Erwachsene – haben die Ausgaben von den Haushaltsbudgets deutlich verschoben.
Der Anteil am Haushaltsbudget für Ausgaben des Skifahrens oder Skiurlaubs ist für jene Familien die sich vor 30 Jahren Skifahren leisten wollten und konnten ist gleich geblieben! Das „Wollen“ hat sich mehr verändert als die Preise.
Auch wir haben in unserem Ski Guide Austria immer die Hochsaison-Tageskarten-Preise als Basis für preisliche Darstellungen. Und seit 2019 die überregionalen Saisonkarten – da werde ich nach Erscheinen der aktuellen Ausgabe SGA 2026 zu Monatsende mal einen Preisvergleich errechnen. Wenn man aber mal wirklich ausrechnen will, was der Gast für einen Skitag bezahlt, müsste man die um Nebeneinnahmen wie Gastro und Shop bereinigten Umsätze der Bergbahnen durch die Skier Days dividieren. Wer immer diese Aufgabe über einen längeren Zeitraum kontinuierlich und seriös leisten kann und will…
Notwendig ist das wegen Dynamic Pricing, Online-Frühbucherpreisen sowie prinzipiell aufgrund kaum mehr vorhandener Anstellzeiten und dem flexibleren Angebot kürzerer Aufenthalte (seltener werden Tageskarten gekauft). So kommt wohl ein realistischeres Bild heraus.


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