Stark anfangen, aber weniger stark nachlassen
Salzburgerland Tourismus (SLT) entdeckt den Sonnenskilauf mit einer Kampagne wieder, die den zeitgeistigen Titel „Winter-Chillout“ führen wird. Die Erstpräsentation am spektakulären Firmensitz von Biogena wurde von manch auch selbstkritisch aufzufassender Begleitmusik illustriert. Denn schleichend hat die Konzentration Österreichs auf eine starke Präsenz zum winterlichen Saisonstart zu Rückgängen in den Monaten März und April geführt.
Vor acht Jahren lief der Spätwinter noch besser
SLT-Geschäftsführer Leo Bauernberger illustrierte das mit einem statistischen Blick acht Jahre zurück: „In unseren für den für den Wintersport relevanten südlichen Bezirken des Landes gingen die Ankünfte in den Monaten März/April von 2017 bis 2025 um 10 %, die Übernachtungen sogar um 17 % zurück. Unabhängig in welchem der Monate Ostern fiel. Wir müssen das ernstnehmen, denn vom Angebot her gibt es exzellente Argumente für Winterurlaub zu dieser Zeit.“ So bestätigt auch Mario Siedler für Obertauern: „Früher war Ostern als erstes ausgebucht, seit wir stärker auf den Saisonstart fokussiert sind, wird es selbst bei uns im Frühjahr schwieriger.“ Zu lange wurde die Gier auf Pistenerlebnisse im Spätherbst bei gleichzeitigem Interessensverlust ab März als „Zeiterscheinung“ hingenommen. Nun steuert Salzburg entgegen. Fast alle Regionen – außer Zell am See – sind bei der neuen Kampagne mit dabei, der Tourismus-Förderungsfonds des Landes unterstützt ebenfalls den Spätwinter. Insgesamt stehe knapp eine Million Euro für die werbliche und PR-Präsenz „auf allen Kanälen“ zur Verfügung.
Salzburgs Winter Chillout mit abgesichertem Angebot und Attraktionen
Die Initiative Winter-Chillout kommt dabei nicht aus einer Not heraus. Denn auch im Land Salzburg ist der Winter bisher auf Rekordkurs. Allein der Dezember verbuchte im Jahresvergleich ein Nächtigungsplus von 12,8 %, was auch der günstigen Lage der Weihnachtsfeiertage geschuldet war. Und wie der Gastronom und Landtagsabgeordnete Hans Scharfetter hervorhob, seien es auch die nicht zu späten Osterfeiertage, die Anstoß für „Winter-Chillout“ gaben. „Das Angebot ist bis Ostern oder sogar darüber hinaus abgesichert. 90 Prozent der relevanten Hotels werden bis dahin geöffnet sein“, ist sich Bauernberger der Problematik durchaus bewusst. Denn rein betriebswirtschaftlich erweist sich eine früheres Saisonende für manche Hotels als vorteilhaft. Anders sieht es Ex-Abfahrtsweltmeister Michael Walchhofer, Multi-Hotelier und Tourismusobmann in Zauchensee: „Jede Woche mehr im Frühjahr hilft, um qualifiziertere Mitarbeiter zu halten.“ Ohnehin bringen die Wochen zu Saisonende mehr Qualität für alle. Denn auch auf der Angebotsseite wird mit Qualität argumentiert: Der Wintersport zeige sich im Frühjahr von seiner entspanntesten Seite: Werden die Tage länger, werde die Hektik geringer. Es herrscht weniger Gedränge auf der Piste, nur manchmal auf der Sonnenterrasse. Schneemangel ist ebenfalls meist kein Thema, denn gerade in Höhenlagen um die 2000 Meter erreicht die Schneedecke erst Mitte März den Höchststand. Hinzu kommt die beliebte Kombination um diese Zeit Winter- und Sommeraktivitäten zu vereinen. Nicht nur Bauernberger, auch Olympiasieger Felix Gottwald lieben die Variante, vormittags die Pisten – oder auch hoch gelegene Loipen – zu genießen und am Nachmittag im Tal noch eine Runde Golf anzuhängen. Wobei Buch-Autor Gottwald („Keine Zeit für heute“) noch zwei launige Argumente einbrachte: „Ich versteh die Leute nicht, die um diese Zeit an einen Strand flüchten, der eigentlich noch nichts zu bieten hat.“ Er finde entsprechende Beispiele durchaus auch in seinem sportlichen Umfeld. Im März fliegen sie mit ihren Rennrädern im Gepäck nach Mallorca, dabei wären in Sportgastein noch die Loipen bestens präpariert. Dafür trainieren sie dann bei bestem Radwetter im Langlauftunnel in Schweden. Für ihn aber gilt: „Der Winter ist erst aus, wenn der Schnee weg ist.“
Es wird spannend zu beobachten sein, ob die angestrebte Saisonverlängerung dank entsprechendem Mitteleinsatz gelingt und sich mehr Menschen Gottwalds „regionale“ Reisephilosophie aneignen.
Ich bin begeistert, dass Salzburgerland Tourismus gegen ein allzu frühes Winterende initiativ wird. Allein schon der Name „Winter Chillout“ ist interessant, hebt sich vom gewohnten „Frühlingsskilauf“ ab. So wie ich es verstanden habe, gibt es in den teilnehmenden Regionen spezielle Angebote und Aktivitäten, das ist sicher in der Kommunikation charmant.
Was eine große Rolle spielen dürfte: Es wird in den Ballungszentren tendenziell immer früher sehr frühlingshaft. Sportliche Menschen können dort heutzutage ohnehin schon beinahe das ganze Jahr über Laufen und/oder Radfahren, aber nicht selten kommen schon mit März Tennis oder andere Outdoorsportarten dazu. Mit dem relativ warmen Wetter in der Wohnumgebung ist das Bergerlebnis erst einmal aus dem Sinn.
Die im Beitrag von Fred Fettner angesprochenen Variante, am Vormittag Skifahren oder Langlaufen und am Nachmittag Golf spielen zu gehen, sollte uns noch auf ganz andere Ideen bringen. Was geben die Berge, die Natur wunderbar her, was ist bereits mit der bestehenden Seilbahn- und Freizeitinfrastruktur machbar?
Im vergangenen Mai haben Judith Grass, Kornel Grundner, Gerhard Gstettner und Karl Morgenbesser beim Online-Austausch „Parallel auf Schwung“ referiert, hier in voller Länge nachzuschauen:https://youtu.be/E5GeJkN0_Nw?si=LP9iFbZRyOK9xLLo
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