Internationalisierung, trotz alledem?

Österreichs Tourismuswirtschaft ist von den Auswirkungen des Irankriegs auf mehreren Ebenen ökonomisch betroffen: Von einer allgemeinen Verunsicherung der Konsumenten, über die vor allem den höheren Energiepreisen geschuldete steigende Inflation, bis hin zu eingeschränkten Flugkapazitäten, die für den Fall eines sich verschärfenden Kerosinmangels noch zu einer markanten Marktverschiebung führen könnten. Gleichzeitig ist nicht auszuschließen, dass aufgrund der guten Erreichbarkeit aus touristisch dominierenden Nahmärkten Österreich in der Sommer-Hochsaison sogar höheren Nachfragedruck verzeichnen wird. Doch wenn noch ein Tropferl Kerosin übrig ist, werden die Leute – da nehm ich mich nicht aus – in den Flieger klettern. Trotz allem.

In einem Interview mit ÖW-Geschäftsführerin Astrid Steharnig-Staudinger ging es mir aber eher um die unmittelbar um die vom Krieg im Iran betroffenen Fernmärkte. „Seit wenigen Tagen sieht es positiver aus. Die Flugkapazitäten kommen wieder zurück, die Golffluglinien sind schon bei zwei Drittel ihrer Kapazitäten – deshalb starteten wir ab 1. Mai wieder die Marktbearbeitung“. Sie verwies dabei auch auf die Deutsche Zentrale für Tourismus als Vorbild, die bereits in Saudi-Arabien und den Arabischen Emiraten (VAE) wieder ihre Kommunikation aufgenommen hat. „Bekanntlich sind die arabischen Gäste sehr kurzfristige Bucher – und sie kommen ohnehin hauptsächlich im Sommer. Deshalb sind wir durchaus zuversichtlich, dass sie nicht komplett ausbleiben werden“, bleibt die ÖW-Chefin optimistisch. Die Gesamtlage wird von den Außenstellen der Österreich Werbung weiterhin als „angespannt“ bewertet, wobei generell für Österreich noch keine „Einbruchsdynamik“ erkennbar sei.

US-Gäste stabil

Der amerikanische Markt zeige trotz aller politischen Auseinandersetzungen und Preiserhöhungen noch keinerlei Veränderung. Die ÖW-Außenstelle erwartet nur bei längerem Andauern des Iran-Kriegs eine gewisse Zurückhaltung im mittleren Preissegment insbesondere aufgrund steigender Flugpreise und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die Entwicklung werde weiterhin stärker von der wirtschaftlichen Lage als von der geopolitischen Situation geprägt sein. Vor diesem Hintergrund wird auch das Kriegsgeschehen zu keiner grundsätzlichen Strategieänderung der ÖW führen. Die nach dem Amtsantritt von Steharnig-Staudinger vor exakt drei Jahren ausgerufene Internationalierung, mit dem Ziel die Abhängigkeit von den traditionellen Kernmärkten zu reduzieren, wird fortgeführt.

Anpassungsfähig bleiben

Die ÖW-Chefin stimmt im Interview zu, dass die militärischen Konflikte einen gewissen Rückschlag für die Bearbeitung jüngerer Quellmärkte – speziell im asiatischen Raum – bedeuten. Nicht ohne zu relativieren: „Resilienz heißt ja nicht nur widerstandsfähig zu sein, sondern auch anpassungsfähig. Und so wie wir im Tourismus ticken, müssen wir weiterhin auf Internationalisierung setzen, aber gleichzeitig sehr flexibel auf Verschiebungen der Märkte reagieren. Etwa Israel, wo wir sehr offensiv im Markt agierten und 2022 noch 1,2 Millionen Nächtigungen verzeichneten. Da haben wir natürlich die Marktbearbeitung zurückgefahren.“

Flugschwäche? Ursache nicht Ökogewissen, sondern Kriegsfolgen

Die Mutmassung, der Iran-Krieg und seine ökonomischen Folgen könnte auch die euphorischen Erwartungen europäischer Flugveranstalter konterkarieren, kann nun bereits eine Befragung belegen, die erst zwischen 27. Februar und 7. April 2026 durchgeführt wurde. So ergab die Auswertung des Europ Assistance Urlaubsbarometers für Österreich eine „neue Realität“, wie es im Studienkommentar heißt. Unter den Themen, die die Reiselust der Österreicher einschränken, rangiert der ökologische Impact des Reisens mit nur 38 % auf einen Schlag nun weit hinter Inflation (73 %) sowie Kriegen und bewaffneten Konflikten (63 %). Sicherheit wird nun von 30 % der Europäer als Grund für die Wahl ihres Reiseziels angegeben. Dass bei den Ländern, die keinesfalls als Urlaubsziel in Frage kommen, Afghanistan und Iran ganz oben stehen, erstaunt nicht. Eher die Prozentsätze von (nur) 16 und 18 %. Spannender für die Urlaubsplanung, dass dahinter gleich USA und Israel (je 14 %) kommen und die VAE nur 6 % komplett ausschließen. Wichtiger ist für potenzielle europäische Reiseländer ein anderer Wert: Asien verliert demnach bei der Umfrage als Urlaubsregion bei den Europäern an Boden: Es wird nur noch von 7 % der Befragten anvisiert, was gegenüber der Umfrage 2025 einem Rückgang um 8 Prozentpunkte entspricht.

 

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