Die Mär vom Coolcation-Hype
Von echten und herbei geschriebenen Trends.
Vor wenigen Wochen bin ich hier auf die aktuellen Analysen des abgelaufenen Tourismusjahres sowie erste Prognosen für das kommende Jahr eingegangen https://tp-blog.at/allgemeines/deutsche-reiseprognosen-s-laeuft-aber-der-teufel-liegt-im-detail. Abgesehen davon, dass Prognosen einmal mehr am Trump’schen Unsicherheitsfaktor zerbröseln, ist man auch bei rückblickenden Analysen nicht vor Überraschungen gefeit. Ulf Sonntag, wissenschaftlicher Leiter der bereits 56. deutschen Reiseanalyse (reiseanalyse.de), hinterfragte in der Präsentation der „1. Ergebnisse RA 2026“ manche Pseudotrends. Darunter eine fundierte Untersuchungen zum Modethema Coolcation. Die Befragung zeigte, dass für die Bewerbung des Sommertourismus – zumindest für den mitteleuropäischen Markt – nicht unbedingt klug ist, kühle Tage in den Vordergrund zu rücken. Nur fünf Prozent aller Urlaubsreisenden hatten bei ihrem Vorjahrsaufenthalt Hitze als „unangenehm“ empfunden. Bei den Besuchern von Mittelmeerreisezielen stieg dieser Wert auf 9 %. Wird die befragte Gruppe auf Reisende ans Mittelmeer in den Monaten Juli und August 2025 reduziert, sah sich jeder achte von Hitze beeinträchtigt. Angesichts des türkischen Temperaturrekords jenseits der 50°C im Juli sind das überraschend wenige.
Unangenehme Hitze wird kaum übel genommen
Sonntag hatte aber noch ein überraschendes Detail zu bieten. Die Wiederkehrsabsicht der Befragten lag bei 90 % – völlig unabhängig davon, ob von den Reisenden die Hitze als unangenehm empfunden wurde oder nicht. Abgesehen von einer leichten Tendenz zur Saisonverlängerung in den Herbst hinein sei der Coolcation-Effekt faktisch null.
Ohnehin, so Sonntag, sollte man mit so genannten neuen Trends vorsichtig sein: „Wissenschaftlich erarbeitete Trends sind mehr als Behauptungen von fünf Menschen, selbst wenn sie sich auf Keyword-Analysen im Netz berufen.“ Sonntag sagte dies nicht zufällig während seiner Präsentation der Reiseanalysen beim Verband Internet Reisevertrieb e.v. (ViR). Denn dort wurde von Leonie Busse, Pinterest, als aus der Suchmaschinenanalyse resultierender Reisetrend verlautet: „Die Menschen suchen mystische Weiten, die verzaubern. Etwa Bolivien, die Faröer Inseln oder Schottland.“ Insgesamt gebe es eine höhere Nachfrage nach Events und Bergtrends.
Statt dessen bot die Reiseanalyse aus ihrer Motivforschung nur einen grundsätzlichen Trendwandel an: Man involviere sich wieder weniger während der Urlaubsreise, sondern reduziere sich verstärkt auf die Beobachterposition. Man will also wieder weniger „live like a local“ am Leben der Einheimischen teilhaben, als sich von den kulturellen Eindrücken erstaunen lassen.
Eine übersichtliche Analyse zu den im Umfeld der ITB 2026 präsentierten internationalen Befragungen und Studien wird in der April-Ausgabe des TourismusWissen-quarterly (www.tourismuswissen.net) zu finden sein.
Völlig richtige Einordnung: Viele „Trends“ sind derzeit eher laut als belastbar.
Die Daten zeigen klar – das Reiseverhalten ist deutlich stabiler, als es Schlagworte suggerieren.
Dass Hitze die Wiederkehr kaum beeinflusst, überrascht eigentlich niemanden oder doch?
Und ganz leise gesagt: Genau das hätte auch der gesunde Hausverstand vorhersehen können.
Ein weiterer „leiser“ Gedanke: Ist das Thema Kulinarik wirklich Österreichs nennenswerter Botschafter? Oder gehört dieses Thema der italienischen Pizza
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