Ausblick 2026: Das Jahr der Weichenstellungen
Liebe Leserinnen und Leser der TP-Blogs,
wir, die Autorinnen und Autoren, hoffen sie hatten ein besinnliches Weihnachtsfest und freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen in ein gesundes, spannendes und erfolgreiches neues Jahr 2026 zu starten.
Zum Jahresende ist es an der Zeit, das abgelaufene Jahr zu reflektieren und die Tendenzen sowie Chancen für 2026 zu analysieren.
Das Tourismusjahr 2025 war auf den ersten Blick erfolgreich. Die österreichische Hotellerie profitierte von stabiler Nachfrage, soliden Auslastungen und in vielen Regionen von Nächtigungszahlen oberhalb des Vorkrisenniveaus. Doch hinter diesen positiven Kennzahlen trat eine strukturelle Realität deutlicher denn je zutage: Wirtschaftlicher Erfolg und betriebliche Zufriedenheit haben sich entkoppelt.
Die Branche befand sich 2025 in einer Übergangsphase. Nicht die Nachfrage stellte die größte Herausforderung dar, sondern eine über Jahre gewachsene Verschiebung der Kosten- und Ertragslogik. Steigende Preise waren weniger Ausdruck von Marktmacht als von betrieblicher Notwendigkeit. Der reale Wertschöpfungsbeitrag pro Nächtigung ist seit 2017 inflationsbereinigt um rund ein Drittel gesunken – ein Befund, der das wirtschaftliche Fundament vieler Betriebe nachhaltig verändert hat.
Besonders sichtbar wurde diese Entwicklung im Wintertourismus. Der Winter 2025/26 startete früh und dynamisch, doch Witterungsextreme führten rasch vor Augen, wie fragil das Geschäftsmodell in mittleren und tieferen Lagen geworden ist. Hohe Beschneiungskosten bei sinkender Planungssicherheit belasten Destinationen, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit von einer verlässlichen Wintersaison abhängt. Gleichzeitig konzentrierte sich die Wertschöpfung zunehmend auf Jänner und Februar. Der März verlor (unabhängig von Schneelage oder Ostertermin) weiter an wirtschaftlicher Relevanz.
Der Sommer entwickelte sich hingegen mengenmäßig erfreulich. In vielen alpinen Regionen lagen die Nächtigungen deutlich über 2019. Doch auch hier zeigte sich ein strukturelles Problem: Die Kostenbasis vieler Betriebe ist nach wie vor auf eine ertragreiche Wintersaison ausgelegt. Immobilien, Servicestrukturen und Personalmodelle lassen sich im Sommer nur eingeschränkt wirtschaftlich abbilden. Der Margendruck blieb entsprechend hoch, insbesondere in klassischen Zweisaisondestinationen.
Auf der Kostenseite war 2025 ein Jahr der Belastung, aber auch der Stabilisierung. Die Inflation lag bei rund 3,5 Prozent, getrieben von Energie, Dienstleistungen und Lebensmitteln. Gleichzeitig näherten sich die operativen Ergebnisse wieder dem Vorkrisenniveau an. Ein Gross Operating Profit von rund 21,5 Prozent zeigt: Die Betriebe arbeiten wieder profitabel, allerdings auf einem deutlich niedrigeren realen Ertragsniveau.
Die größte strukturelle Herausforderung bleibt der Arbeitsmarkt. Mit Arbeitsstückkosten von 44,50 Euro pro Stunde im Dienstleistungssektor liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. In anderen Tourismusländern wie Italien (33,50 Euro), Spanien (30,90 Euro) oder Griechenland (16,70 Euro) liegt der Wert deutlich niedriger. Dies ist ein klarer Standortnachteil, der sich nicht länger ignorieren lässt.
Ausblick 2026: Das Jahr der Weichenstellungen
2026 wird kein klassisches Wachstumsjahr, aber ein Jahr mit strategischem Potenzial. Die Nachfrage dürfte stabil bleiben, nennenswerte Impulse aus den Herkunftsmärkten sind jedoch nicht zu erwarten. Insbesondere der deutsche Markt wird eher stagnieren. Gleichzeitig zeichnet sich eine spürbare Entspannung bei der Inflation ab. Mit einer erwarteten Teuerungsrate von rund 2,4 Prozent gilt die Phase der Hochinflation als weitgehend überwunden.
Für den Tourismus ist das eine entscheidende Entwicklung. Sinkende Inflationsraten bedeuten keine unmittelbare Entlastung, aber sie schaffen wieder Planungssicherheit. Kostenrelationen stabilisieren sich, Investitionsentscheidungen werden kalkulierbarer, und ab der zweiten Jahreshälfte 2026 verbessern sich die Rahmenbedingungen für nachhaltige betriebliche Entwicklungen.
Ein positives Signal kommt auch von Seiten der Regierung. Die neuen steuerlichen Freibeträge – von steuerfreien Überstunden über begünstigte Zuschläge bis hin zum geplanten Zuverdienstfreibetrag im Alter (ab 2027) – setzen wichtige Anreize. Sie können helfen, Personalengpässe abzufedern, Produktivität zu erhöhen und Erfahrung länger im Betrieb zu halten. Entscheidend wird sein, wie praktikabel diese Instrumente umgesetzt werden und ob sie tatsächlich bei den Beschäftigten ankommen.
Parallel dazu stabilisiert sich der Hotelimmobilienmarkt. Nach Jahren hoher Zinsen, gestiegener Baukosten und struktureller Bereinigungen mehren sich die Zeichen einer Erholung. Für 2026 wird ein Investitionsvolumen von rund 540 Millionen Euro in der Hotellerie erwartet, mit klaren regionalen Schwerpunkten. Investiert wird weniger in Neubauten, sondern zunehmend in Repositionierungen, Effizienzsteigerungen und flexible Nutzungskonzepte – ein rationaler und langfristig gesunder Trend.
2026 wird für die österreichische Hotellerie kein Jahr der schnellen Erfolge, sondern eines der bewussten Entscheidungen. Die Betriebe stehen vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle an eine neue Realität anzupassen: kürzere Wintersaisonen, höhere Arbeitskosten, stabilere, aber preisbewusstere Nachfrage. Wer es schafft, Kostenstrukturen zu flexibilisieren, Angebote klar zu positionieren und Investitionen strategisch zu denken, wird gestärkt aus dieser Phase hervorgehen.
Der österreichische Tourismus bleibt wettbewerbsfähig – nicht trotz, sondern wegen der notwendigen Anpassungen. 2026 bietet die Chance, die Grundlagen für nachhaltige Wertschöpfung neu zu legen.
Bitte vormerken:
Leader der alpinen Hotelbranche versammeln sich am 7. Mai 2026 in Kitzbühel.
Kitzbühel wird erneut zur Bühne der alpinen Hotelimmobilien- und Ferienhotellerie: Beim Alpine Hospitality Summit diskutieren führende Entscheidungsträger und Zukunftsgestalter über die Perspektiven und die Zukunft der alpinen Hospitality.
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