Von der Krisenabwehr zur aktiven Zukunftsnavigation
Resilienz in Destinationen muss heute weniger als Krisenpuffer und mehr als Fähigkeit zur aktiven Navigation verstanden werden. Zwischen VUCA (Volatility-Uncertainty-Complexity-Ambiguity) und BANI (Brittle-Anxious-Nonlinear-Incomprehensible) verändern sich externe wie interne Voraussetzungen unvorhersehbar und dynamisch und eine Rückkehr zu den Ausgangsbedingungen ist unwahrscheinlich. Vielmehr steht die Gesellschaft einem Systemwandel gegenüber, dessen Ausgang schwer abzusehen ist. In passiver Abwarthaltung lassen sich die Krisen von heute daher nicht mehr überstehen. Stattdessen gilt es, schnell und effektiv auf Veränderungen zu reagieren.
Destinationen sind Orte, wo ungewöhnlich viele Akteure und Interessen zusammentreffen: zwischen Lebens- und Erlebnisraum, zwischen Wirtschaft, Naturschutz, Politik und Gesellschaft, zwischen Arbeit für die einen und Urlaub für die anderen, ergeben sich Spannungsfelder, die von zahlreichen Krisen direkt betroffen sind. Akuter Transformationsdruck entsteht maßgeblich aus drei Richtungen gleichzeitig: Ein Naturraum unter Klimastress, eine Gesellschaft, die zunehmend die Legitimität stetigen Tourismuswachstums anzweifelt sowie rasante technologische Entwicklungen.
Klimaanpassung strategisch umgesetzt
Aus naturräumlicher Perspektive entsteht besonders hoher Anpassungsdruck im Alpenraum. Zeitfenster der Schneesicherheit schrumpfen, Extremereignisse häufen sich und klassische Saisonlogiken verlieren Attraktivität. Eine resiliente Destination nutzt diese Signale als Taktgeber für Portfolioentscheidungen. Diversere Angebote, die sowohl saisonübergreifend funktionieren als auch wetterunabhängig eine hohe Erlebnisqualität garantieren, stabilisieren Auslastung und Wertschöpfung. Zudem punkten wirkungsorientierte, regenerative Angebote. Kuratierte Erlebnisse, die Orientierung geben, Ressourcen schonen und Beziehungen vertiefen, stärken Menschen und Orte in fragilen Zeiten.
Wandel als Chance begreifen
In dieser strategischen Neuausrichtung liegt die Chance, gleichzeitig die Lebensqualität vor Ort, lokale Wertschöpfung sowie die faire Verteilung von Ressourcen in den Blick zu nehmen und mitzudenken. Wird die lokale Bevölkerung in die Gestaltung der Transformation einbezogen, kann sich dies positiv auf die Belastungswahrnehmung auswirken und die Zustimmung zu Entwicklungsmaßnahmen im Tourismus stärken.
Technologie als Prozessverstärker
Technologische Lösungen – geschickt eingesetzt – wirken in den Transformationsprozessen katalytisch. KI-gestütztes Monitoring, intelligente Steuerung sowie automatisierte Prozesse und digitale Kollaboration können Nachfrage, Mobilität und Kapazitäten synchronisieren. Dadurch werden Kosten gesenkt, Energie eingespart und gleichzeitig die Standortqualität angehoben. Governance, Datenleitplanken und Kompetenzen sind dabei Grundvoraussetzungen, um die Effizienzgewinne ernten zu können: Geringere Belastungen von Umwelt und Lebensraum sowie Kapazität für das, was Maschinen nicht leisten, nämlich strategische Planung, echte Verbindung und authentische Geschichten.
Systemische Komplexität fordert neue Rolle
Eine solch holistische Transformation sprengt jedoch den Rahmen dessen, was DMOs allein leisten können. Resilienz entsteht systemisch, aus dem komplexen Zusammenspiel und Wirken zahlreicher Akteure heraus. Die Aufgabe von DMOs wird zukünftig darin bestehen, die Interaktion von Politik, Bevölkerung und diversen touristischen Stakeholdern im Lebens- und Erlebnisraum zu orchestrieren. Die Orientierung an Daten und Szenarien liefert dabei stichfeste Argumente für die ressourcenbewusste Planung und Priorisierung diverser Maßnahmen.
Deep-Dive zum Thema
Vertiefende Perspektiven aus Forschung und Praxis zum Thema sind am 21. Oktober beim Kongress „Resilienter Tourismus – Regionen & Destinationen stärken“ an der Hochschule Kufstein Tirol zu erleben. Eine Podiumsdiskussion lädt zur kritischen Reflektion ein. Die Teilnahme am Kongress ist dank INTERREG-Förderung kostenfrei.

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