Unsterblich ist nur der Wunsch nach Unsterblichkeit
Longevity ist der Durchstarter unter den Modewörtern der Saison. Ein Slogan mit unbestrittener touristischer Relevanz. Das vorliegende Magazin „Tourismus Wissen – quarterly” bringt in seiner jüngsten Ausgabe 42 gleich vier Beiträge zu dieser Thematik. Jeder nimmt dabei einen anderen Blickwinkel ein. Medizintourismus-Experte Kai Illing sieht einen Trend, der auf mehrere Aspekte zurückzuführen ist: Die demographische Entwicklung, der stärkeren Zuwendung zu präventiven Maßnahmen, um die Kosten für die Reparaturmedizin zu reduzieren, aber auch hohe Zuwendungen für Forschung und Entwicklung gerade bei „Longevity”. Aus touristischer Sicht ist Illing davon überzeugt, dass Longevity-Hotels, die sich umfassend mit der Produktentwicklung auseinandersetzen, dies zu wirtschaftlichem Erfolg verhelfen wird.
Doch in einem Beitrag des SCC, spacompetencecircle.at, steht der wichtige Satz, dass zwar 61 % ihren Lebensstil deutlich gesünder gestalten wollen, dies aber nur ein kleiner Teil davon umsetzt. Deshalb müssten Hotels Angebote finden, die auch mit dem Lebensstil der Gäste harmonieren. Die „Maximal Optimizers” stellen eben nur ein Viertel der Interessierten da. Das ist die Gruppe, die dem Longevity-Gedanken alles unterordnen. Generell sei Longevity kein Produkt, das man ins Regal stellt – und auch kein Marketingtrend. Sondern es sei ein anspruchsvoller Markt der „Klarheit, Tiefe und Konsequenz” erfordere.
Davon ist wohl auch die Prodinger Tourismusberatung überzeugt, die vor einigen Monaten einen eigenen Trend-Report zu Longevity auf den Markt gebracht hat.
https://tourismusberatung.prodinger.at/2025/05/21/hotels-im-zeichen-der-langlebigkeit/
Hier wird unter anderem die Bedienungsanleitung, wie Hotels ihre Strategie entwickeln sollen, präsentiert: Sie müssen ihre Positionierung schärfen, Gesundheitskompetenz aufbauen, Erlebnisse bieten, bewusst auf Reduktion setzen und das ganze auch noch glaubwürdig kommunizieren. Wichtig ist aber das Fazit: „Der Tourismus der Zukunft bietet nicht nur Erholung, sondern Orientierung.” Allein wer Sinn und Langlebigkeit intelligent verbinde, werde nicht nur gebucht, sondern gebraucht.
Im vierten Artikel rechnet Harald A. Friedl, Professor an der FH Joanneum Bad Gleichenberg, mit einigen der Ansätze der vorhergehende Beiträge ab. Er hinterfragt, ob manche „Blue Zone” wirklich auf Fakten basiere. Aber Unwissen habe Menschen noch nie davon abgehalten, den „Traum von ewiger Jugend und unerschöpflicher Genussfähigkeit zu verfolgen und dafür hohe Summen für Substanzen und Technologien aufzuwenden.” Er stellt Longevity in den Kontext der Nachhaltigkeit und führt als grundlegende ethische Frage im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung an: „Teure Hochtechnologie – insbesondere auch im Gesundheitsbereich – kommt global betrachtet nur einer kleinen wohlhabenden Minderheit zugute, während die Umweltkosten für die Entwicklung und den Betrieb dieser Technologie und ihrer Rahmenbedingungen vor allem auf jene abgewälzt werden, die selbst niemals in den Genuss solcher Technologie gelangen.” Wohlhabende Menschen verlängern also ihre gesunde Lebensdauer auf Kosten der Allgemeinheit. Denn eine kranke ökologische, soziale und ökonomische Umwelt stehe zu einem gesunden Leben auf Dauer in Widerspruch.
Die aufgrund einer – angeblichen – Mikrophonpanne bekanntgewordene Konversation 71-Jähriger Regenten konnte in die studentischen Beiträge des TWq 42 noch nicht einfließen: „Menschliche Organe können wiederholt eingesetzt werden. Je länger man lebt, desto jünger wird man – und man kann sogar die Unsterblichkeit erreichen”, habe Wladimir Putin gesagt, woraufhin Xi Jinping (zitiert nach ORF) antwortete: „Man sagt, dass die Menschen noch in diesem Jahrhundert 150 Jahre alt werden können.“ Nun ja, wie man vom aktuell Dritten im Bunde Donald Trump (79) weiß, scheint die Verlockung des ewigen Lebens für Despoten besonders ausgeprägt. In Negation der Tatsache, dass der Tod für Diktatoren die einzige Chance ist, dem eigenen Sturz zu entkommen.
Bei wissenschaftlichen Longevity-Beiträgen geht’s natürlich nicht um Unsterblichkeit, sondern um die Kunst gesund zu sterben – und das möglichst spät. Also „X’sund bleim!” wie man sich und anderen wünscht. Unsterblichkeit wird auch dem TWq nicht beschieden sein, aber wie der Meter im Bücherregal belegt, ist der Faktor Langlebigkeit mit Absolvierung des elften Bestandsjahres für ein Printmagazin belegt.
https://www.club-tourismus.org/tourismuswissen-quarterly, Probeheft bzw. einmaliger Online-Zugang unter tourismuswissen@club-tourismus.org anfordern)
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