Warum hat Österreich so wenige duale Studiengänge – gerade im Tourismus?

Österreich betont zu Recht die Stärke dualer Ausbildung. Als ehemaliger Lehrling und großer Fan der Lehre, auch der Lehre mit Matura, frage ich mich dennoch: Warum gibt es duale Studiengänge hierzulande noch so selten?

Gerade der Tourismus bräuchte zusätzliche Wege. Die Zahl der Schüler an Tourismusschulen sank von 10.421 (2010) auf 7.762 (2019), die Zahl der Lehrlinge in Tourismus, Gastgewerbe und Hotellerie von 14.755 (2008) auf 6.488 (2024). Gleichzeitig meldeten 2025 88,8 % der Tourismusbetriebe Personalengpässe (AMS/ibw 2022; WKO 2024; WKO 2025).

Duale Studiengänge ersetzen weder Lehre noch Tourismusschulen. Sie können aber ein zusätzlicher Baustein sein, um junge Menschen mit Matura, auch aus AHS oder mit bisher wenig Berührung zum Tourismus, für die Branche zu gewinnen und Betrieben neue Wege der Fachkräfteentwicklung zu eröffnen.

Noch ist das Modell in Österreich klein: Im FH-Sektor gab es 2025/26 erst 22 duale Studienangebote an neun Hochschulen, davon 18 im technischen Bereich (BMFWF 2026). Im Tourismus war bisher die FHWien der WKW mit ihrem dualen Angebot Vorreiterin. Deutschland zeigt, welches Potenzial möglich ist: über 170.000 dual Studierende, rund 1.800 duale Studiengänge und etwa 50.000 beteiligte Unternehmen. Dort gelten duale Studiengänge als Instrument, um wissenschaftliche Qualifikation mit betrieblicher Praxis, Talentbindung und Wissenstransfer zu verbinden, auch für kleinere und mittlere Betriebe außerhalb großer Ballungsräume (BDA/Stifterverband 2018).

Mit dem Bachelorstudienzweig Hotel Management dual startet die CU – Carinthia University of Applied Sciences | Hochschule Kärnten ab 2026/27 ihr erstes duales Studienangebot: sechs Semester, 180 ECTS, im Wechsel zwölf Wochen Hochschule und zwölf Wochen Praxis im Partnerbetrieb. Der Hotelbetrieb ist dabei kein Praktikumsort, sondern zweiter Lernort. Danke an die Praxispartnerbetriebe aus Kärnten, Salzburg, Steiermark und Tirol, die diesen neuen Weg mittragen!

Vorbehalte gegenüber Absolventen solcher Studiengänge braucht es nicht: Sie lernen wissenschaftlich fundiert und zugleich sehr konkret im Betrieb. Herausfordernd bleiben arbeits- und kollektivvertragliche Fragen. Gerade deshalb braucht es klare, faire Rahmenbedingungen. Hier sind auch die Sozialpartner gefragt.

Wer Studierende, Praxispartner und Modell kennenlernen möchte, ist herzlich zum Kick-off „Check-In: Zukunft“ am 1. September 2026 ab 13.30 Uhr am Campus Villach eingeladen:
https://app.cituro.com/booking/fhkaernten?presetService=11f16301c79d2de0951f59127c500dff#step=1

Dr. Christoph Nussbaumer
12. August 2026 • 08:23 Uhr • Dr. Christoph Nussbaumer

Ein sehr guter Vorschlag!

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