Lieber „Zwischenparken“ als Mitarbeiter aufs „Abstellgleis“ stellen

Die aktuelle Diskussion rund um das sogenannte „Zwischenparken“ in „Zwischensaisonen“ von Mitarbeitern beim AMS wird derzeit sehr emotional geführt. Der Begriff selbst ist dabei bereits problematisch, weil er suggeriert, Tourismusbetriebe und die Baubranche würden ein System missbräuchlich ausnutzen. Die Realität im österreichischen Tourismus ist jedoch deutlich komplexer.

Gerade in saisonal geprägten Regionen gehören Übergangszeiten zwischen Sommer- und Wintersaison seit Jahrzehnten zur wirtschaftlichen Realität. Viele Betriebe schließen nicht aus mangelndem Willen, sondern weil Nachfrage, Infrastruktur, Wetterbedingungen oder notwendige Umbauarbeiten einen durchgehenden Jahresbetrieb oft unmöglich machen.

Entscheidend ist dabei ein Punkt, der in der aktuellen politischen Diskussion häufig ausgeblendet wird: Zahlreiche Betriebe geben ihren Mitarbeitern Wiedereinstellungszusagen. Genau dadurch entsteht überhaupt erst eine langfristige Perspektive für Beschäftigte im Tourismus. Ohne diese Wiedereinstellungsgarantie gäbe es für Unternehmen auch kaum eine Grundlage, zusätzliche Verpflichtungen zur Lohnfortzahlung während saisonaler Unterbrechungen zu übernehmen. Es geht hier letztlich auch um Fragen der Gleichbehandlung und der arbeitsrechtlichen Systematik.

Die Alternative wäre vielfach deutlich problematischer: Mitarbeiter würden nicht mehr mit einer klaren Rückkehrperspektive in eine Saisonpause gehen, sondern tatsächlich „am Abstellgleis“ stehen – ohne Planungssicherheit und ohne verbindliche Zusage für eine Weiterbeschäftigung. Gerade für Fachkräfte wäre dies ein weiterer Anreiz, die Branche endgültig zu verlassen.

Dabei darf nicht übersehen werden, dass der Tourismus in den vergangenen Jahren enorme Anstrengungen unternommen hat, um Beschäftigung auszubauen und Ganzjahresstrukturen zu entwickeln. Die Branche hat trotz steigender Energiepreise, hoher Inflation und massiv gestiegener Lohnkosten (seit 2022 plus 21,69%) zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und Saisonzeiten verlängert.

Genau deshalb greift die aktuelle Diskussion zu kurz. Natürlich müssen saisonale Schwankungen künftig noch stärker betriebswirtschaftlich mitgedacht werden. Modelle wie Kombilohnsysteme, flexible Saisonarbeitsmodelle oder spezielle Kurzarbeitsvarianten für saisonabhängige Branchen könnten hier deutlich sinnvollere Lösungen darstellen als pauschale Sanktionen.

Denn eines muss klar ausgesprochen werden: Die zusätzlichen Belastungen werden am Ende jedenfalls in die Lohnsumme eingerechnet werden müssen. Und das betrifft nicht nur die Unternehmen, sondern letztlich auch die Beschäftigten selbst. Wenn künftig ein Monat AMS-Leistung wegfällt oder Betriebe höhere Übergangskosten finanzieren müssen, wird dies mittelbar Auswirkungen auf Einkommen, Personalaufbau, Saisonverlängerungen und Investitionen haben.

Gerade kleinere und familiengeführte Tourismusbetriebe geraten dadurch zunehmend unter Druck. Viele Häuser arbeiten bereits heute an der wirtschaftlichen Belastungsgrenze. Weitere Zusatzkosten könnten dazu führen, dass Betriebe vorsichtiger einstellen, Saisonzeiten wieder verkürzen oder Investitionen zurückstellen.

Die Diskussion sollte daher weniger ideologisch und deutlich praxisnäher geführt werden. Österreichs Tourismus lebt von engagierten Mitarbeitern und langfristigen Bindungen zwischen Betrieben und Beschäftigten. Systeme, die diese Bindung absichern, sollten weiterentwickelt und nicht vorschnell pauschal diskreditiert werden.

Elfriede Krempl
22. Mai 2026 • 13:55 Uhr • Elfriede Krempl

Es stimmt, dass eine wachsende Zahl österr. Hotelbetriebe durch massive Investitionen Ganzjahresöffnungen ermöglicht haben und damit Ganzjahresbeschäftigung bieten können. Diese Betriebe sind aber nur für eine einkommensstarke Zielgruppe möglich. Das Fundament des österreichischen Tourismus bilden sie aber nicht ab. Zum österreichischen Tourismus gehören aber auch kleinere, saisonale Betriebe, die strukturell keine Ganzjahresöffnung leisten können. Aber genau diese Betriebe sind für die Infrastruktur der ländlichen Gemeinden unverzichtbar. Wer von den Verantwortlichen möchte in verödeten Gebieten leben? Keine Infrastruktur? Leine Nahversorgung? Keine Lebensqualität? Es braucht wirklich keine pauschale Kritik am „Zwischenparken“ sondern echte Lösungen!

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