Wenn Lehrer Liftkarten verkaufen
Die Geschichte ist schnell erzählt: Kind wird krank und kann nicht am Skiausflug der Klasse teilnehmen. Die Mutter, die nicht nur den Bus sondern auch die Liftkarte bezahlt hat, fragt beim Lehrer an, ob zumindest ein Teil des Geldes rückerstattet wird. Die knappe Antwort: Nein! Denn erstens sei die Anmeldung verbindlich gewesen und zweitens kippe der Gruppentarif, wenn Kinder ausfallen. Ärgerlich, aber ist halt so, und damit wäre die Geschichte dann auch schon wieder erledigt – wenn die Mutter nicht von Natur aus skeptisch wäre und darüber hinaus über eine unbändige Neugier verfügte, die ihr die Lehrer schon seinerzeit nicht ausgetrieben haben. Also schreibt sie einen Brief ans Seilbahnunternehmen…Die Reaktion kommt prompt und in Form eines Anrufs: die Unternehmenssprecherin weist ausdrücklich darauf hin, dass ihr Unternehmen bei Erkrankung und Verletzung in jedem Fall und ausnahmslos kulant reagiert. Darüber hinaus würden Schulklassen in Begleitung des Lehrpersonals jedenfalls den vergünstigten Schülertarif erhalten, irrelevant, ob es sich dabei um 2 oder um 20 Schüler handelt. Wir plaudern noch ein Weilchen über die Missverständnisse, die entstehen können, wenn Lehrer Liftkarten verkaufen, und dabei stellt sich – so ganz am Rande – noch heraus, dass mir 50 Cent zuviel abgeknöpft wurden, denn die Nachmittagskarte kostet 9,50,– und nicht 10,00,– Euro. Ein Schelm, wer jetzt Schlechtes denkt, denn wenn pro 8 Schüler eine Lehrperson frei geht, könnte es sein, dass diese Freikarte wackelt, wenn Kinder krank werden. Nun, was lernen wir daraus? Wenn wir nicht wollen, dass uns Schulen sukzessive den Nachwuchs vergraulen, werden wir hier in die Speichen greifen müssen. A propos: meine 10,00,– Euro habe ich nicht wieder gesehen. Aber ich kann mir meinen Ärger ja von der Seele schreiben…
Weils zum Thema passt: meine Geschichte ist auch schnell erzählt: 13-jährige Tochter in der 4. Klasse des Georg-von-Peuerbach-Gymnasiums in Linz fährt mit der ganzen Klasse in der letzten März-Woche auf Schikurs. Montag bis Freitag im Linzer Haus auf der Wurzer Alm in Spital am Pyhrn, Vollpension, Schipass. Anreise per Bahn. Angeboten werden: Alpinschifahren, Langlaufen (Skating) und Schneeschuhwandern. Gesamtkosten: € 112,– jawohl, richtig gelesen! ALLES inkludiert! Ein Hoch auf den Klassenvorstand, Frau Professor Paulat!
Liebe Frau Reisner!
Natürlich können Sie sich ihren Ärger von der Seele schreiben. Nur wäre das in einem Brief an das offensichtlich „schwarze Schaf“ geeigneter, als hier in einem meinungsbildenden Forum.
Ich bin überzeugt, dass 99% aller Lehrer saubere Abrechnungen von Schulveranstaltungen vorlegen können. Von nichtbezahlten Überstunden, die eine Schulskikursorganisation mit sich bringt ganz zu schweigen.
Der Großteil mir bekannter Lehrer kämpft mit Herzblut um günstige Preise für ihre Schüler und macht sich die Mühe in ihrer Freizeit centgenaue Abrechnungen für den Elternbeirat vorzubereiten…
Ein öffentliches „Lehrerbashing“, basierend auf einem zugegeben inakzeptablen Einzelfall, ist mit Sicherheit kein motivationsförderndes Konzept für den so wichtigen Nachwuchs im Organisationsbereich von Schulskikursen.
Lieber Herr Seidl,
die Korrespondenz mit dem „schwarzen Schaf“ hat natürlich ebenso stattgefunden wie ein längeres persönliches Gespräch über die Unschärfen der Abrechnung. Dabei hat sich bestätigt, dass seitens der Lehrkraft keinesfalls böser Vorsatz, doch jedenfalls wenig Problembewusstsein vorhanden ist. Meine Beobachtung ist, dass viele Eltern und Erziehungsberechtigte – wenn es ums Geld geht – immer weniger Spaß verstehen. Und deren Unmut richtet sich – erfahrungsgemäß – gegen den Veranstalter oder die Bergbahn („die das Geld nicht zurückgibt“) und nicht gegen die Schule. Diese Problematik zu beleuchten ist mein Anliegen.
Liebe Frau Reisner!
Bin durch Zufall auf den Beitrag gestossen. Ich hoffe der Fall hat sich nicht in einem unserer Schigebiete des Mostviertels (Hochkar, Lackenhof/Ötscher od. Annaberg) abgespielt. Ausschließen kann ich es leider nicht, ja die Befürchtung ist sogar groß, dass es bei uns wahr.
Wir haben im letzten Jahr die Lizenz für Ski4free in Niederösterreich erworben und bieten gemeinsam mit unseren Partnern in den Schigebieten (Lifte, Schiverleih, Schischule) einen Tag für Schulkinder ab 25,–. Im Preis inkludiert: Busfahrt, Liftkarte, Schiverleih optional den Schilehrer dazu. Die Aktion besteht seit knapp 8 Jahren. Nach zahlreichen Anfangsschwierigkeiten (auch sehr stark Partnerabhängig) läuft es heuer sehr, sehr gut. Wir konnten bereits über 16.000 Kinder bei uns begrüßen, viele davon erstmals auf Ski.
Bei unserer Aktion ist eine Versicherung dabei, wo Kostenersatz im Krankheitsfall abgedeckt ist. Auch hier kommt es mitunter zu Problemfällen, können aber meist zufriedenstellend gelöst werden.
Das positive Feedback heuer hat uns dazu veranlasst ab nächsten Winter Ski4freeXL in Form von Kurzskikursen um 150,– – 175,– von MO – MI anzubieten. Inkl. Schilehrer und HP. Damit liegen wir um 50 % unter den durchschnittlichen Skikurspreisen bei 2/3 der Leistung (3 Skitage für die Kinder)
Selbstverständlich sind diese Aktionen knapp kalkuliert und der Wille zur Kulanz bei den Partnern sehr gering. Dadurch aber auch unser Engagement sehr groß, um solche Fälle zu vermeiden.
Im Karwendel gibt es einen Skikurs, da ist der Liftpass von Anfang an dabei. Da gibt´s das Problem erst gar nicht.
für mich ist das hier ein Lehrbeispiel (wörtlich gemeint, werd´s bei meinen Vorträgen einsetzen) zum Thema „Storytelling“ DANKE Ulli!
Sehr geehrte Frau Reisner,
mit Interesse habe ich Ihren Bericht gelesen und möchte gerne folgendes dazu ergänzen: Wenn solche Schulsportveranstaltungen (Sommer wie Winter)über uns (Holiday Shuttle) gebucht werden, haben Schüler, Lehrer und Eltern den Vorteil, dass wir nur den tatsächlich angereisten Teilnehmern die Liftkarten etc. verrechnen. Sollte jemand im letzten Moment erkranken oder aus welchen Gründen immer nicht kommen können, braucht er/sie auch nicht zu bezahlen. Das ist nur einer der Vorteile, wenn man Sport- Sprach- und Projektwochen über einen professionellen Schulsportveranstalter bucht.
Beste Grüße vom Ossiacher See!
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