Was bringen Gäste noch mit, außer ihr Geld?
Kopenhagen macht etwas Bemerkenswertes: Die Stadt gibt ihr erfolgreiches CopenPay-Modell aktiv an andere Destinationen weiter. Berlin interessiert sich dafür, andere Destinationen ebenso.
Der entscheidende Paradigmenwechsel
Was mich an DestinationPay fasziniert, ist die konzeptionelle Neuausrichtung: Der Wert einer Reise wird nicht mehr ausschließlich an den Ausgaben gemessen, sondern am Beitrag des Reisenden. Das ist fundamental anders als vieles, was wir bisher im Destinationsmanagement diskutieren.
Während klassische Ansätze Touristen als Konsumenten betrachten, die es zu maximieren gilt, dreht DestinationPay die Logik um: Touristen werden zu aktiven Teilnehmern am Ökosystem der Destination. Sie sammeln Müll bei Kajaktouren, reisen mit der Bahn an und erhalten dafür Museumszugang oder andere Vergünstigungen.
Drei Aspekte finde ich interessant:
1. Systemisches Denken statt linearer Optimierung DestinationPay adressiert nicht einzelne Probleme, sondern verändert die Beziehungsarchitektur zwischen Destination und Besucher. Es schafft positive Feedback-Loops statt reiner Transaktionen.
2. Verhaltensökonomie trifft Plattformlogik Das Modell nutzt Anreizstrukturen, um gewünschtes Verhalten zu incentivieren – ohne Verbote oder erhobenen Zeigefinger. Gleichzeitig funktioniert es als offene Plattform, die lokale Partner einbindet und skalierbar ist.
3. Vom Massentourismus zur Wertschöpfung durch Partizipation Bei 1,8 Milliarden prognostizierten Touristenankünften bis 2030 brauchen wir in den etablierten Tourismusregionen Mechanismen, die Qualität über Quantität stellen und Destinationen unterstützen, die richtigen Besucher anzuziehen – jene, die zur Destination eine Beziehung aufbauen wollen.
Die interessante Frage dahinter
Wonderful Copenhagen hätte CopenPay als Wettbewerbsvorteil für sich behalten können. Stattdessen wird es zur Open-Source-Lösung. Das deutet auf ein Verständnis hin, dass die Herausforderungen im Tourismus nur kollektiv lösbar sind – und dass Kooperation langfristig wertvoller ist als kurzfristige Alleinstellungsmerkmale.
Die eigentliche Innovation ist also nicht das Belohnungsprogramm selbst, sondern der Mindset-Shift von „How do we get more tourists?“ zu „How do we create mutual value?“
Was denkt ihr: Ist das ein skalierbares Modell oder funktioniert es nur in bestimmten Destinationstypen?
PS: Alle Destinationen, die das Thema interessiert, hier gibt es am 4. Februar dazu ein kostenloses Online Webinar
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