100 Jahre Seilbahnen: Was bringt die Zukunft?

Die Personenbeförderung durch freischwebende Seilbahnen hat in Österreich vor hundert Jahren begonnen — entlang von Eisenbahnlinien, im Sommer und in der Regel für auswärtige Touristen. In den letzten Jahrzehnten hat der Skisport die Erfolgsgeschichte des Tourismus in Österreich geprägt. Bei einem solchen Jubiläum stellt sich über den historischen Rückblick hinaus die Frage, was die Zukunft für den alpinen Tourismus bringt, mit welchen Chancen und Risiken wir rechnen können.

„Guter Hochwinter, Stagnation im Frühjahr“

Die Zeiten, als die Osterferien bei Skigästen heiß begehrt und in Beherbergungsbetrieben gleich einmal ausgebucht waren, sind längst vorbei. Das stellen Analysen zur Nachfrageentwicklung im Alpenraum wie der Faktencheck von Kohl & Partner zur heurigen Wintersaison unisono fest. Die Gründe sind vielschichtig, breites Freizeitangebot durch mildes Wetter in den Ballungszentren gehört sicherlich dazu.

Eine Renaissance des Frühlingskilaufs heraufzubeschwören – wie das ganz im Sinne der Branche die SalzburgerLand Tourismus GmbH mit einer neuen Kampagne („Winter Chillout“) heuer für die Zeit von Mitte März bis Ostern getan hat – ist eine Möglichkeit: „Vormittags auf die Piste, nachmittags auf den Golfplatz oder auf eine Radtour, alles ist möglich.“

Ihr Autor hat im Mai des Vorjahres einen Online-Austausch „Parallel auf Schwung“ (im Stream nachzuschauen) organisiert, bei dem Judith Grass, Kornel Grundner, Gerhard Gstettner und Karl Morgenbesser Praxisbeispiele für „hybriden Betrieb“, ein jeweils den Schneesport ergänzendes Angebot am Berg, zur Diskussion gestellt hatten.

Transformation zum ganzjährigen Bergerlebnis

Die Wertschöpfung durch Seilbahnnutzer hat in Österreich laut MANOVA-Studie in der Wintersaison 2022/2023 rund 6,7 Milliarden Euro brutto betragen. Ökonomisch gesehen ein Segen. Modernes Schneemanagement und technische Beschneiung funktionieren wunderbar, federn unser Risiko ab. Aber über die technische Klimawandelanpassung hinaus braucht es jetzt zunehmend strategische Weichenstellungen. In der neuen österreichischen Tourismusstrategie Vision T wird nicht von ungefähr proklamiert: „Wir managen Klimawandelrisiken aktiv und beschleunigen die Anpassung“.

Klarerweise wird nicht jedes Skigebiet, jeder Lift und jede Piste in der heutigen Form bestehen bleiben. Änderungen tun weh, wenn die eigene Identität – in den letzten Jahrzehnten geprägt vom Skisport – verloren geht. Aber es hilft nichts, es gibt im heimischen Tourismus in den nächsten Jahren und Jahrzehnten keine wichtigere Frage: Wie den alpinen (Winter-)Tourismus transformieren, sodass wir volkswirtschaftlich bestehen?

Denn wir müssen uns in den Skigebieten vielerorts nicht nur im Frühling, sondern das ganze über (also sogar im Hochwinter) strukturell neu aufstellen: Eine Möglichkeit sind nicht vom Schnee abhängige, bestenfalls auch nicht von Schnee verunmöglichte zusätzliche Aktivitäten für Skigäste. Niederschwellige Angebote am Berg sollten aber auch Besuchsgrund für neue Wintergäste sein. Der Qualitätsverbund Beste Österreichische Sommer-Bergbahnen hat bereits 25 Jahre wertvolle Erfahrung gesammelt, die sich teilweise auch auf den Winter umlegen lässt.

Vorreiter Schweiz: Kompass Schnee, Studie UN Tourism

In der Schweiz gibt es mit dem Kompass Schnee zu wichtigen Fragen eine wissenschaftlich fundierte Orientierungshilfe für Wintersportdestinationen: „Wie sieht der Winter in Zukunft aus? Was sind die Prognosen für den natürlichen Schnee? Was ist das Potential für die technische Beschneiung? Welche Anpassungsstrategien sind zielführend?“.

Seilbahnen Schweiz, Verband Schweizer Tourismusmanager und Schweiz Tourismus arbeiten für Kompass Schnee zusammen. Das gemeinsame Ziel lautet, „den Akteuren im Wintertourismus ein faktenbasiertes Orientierungsinstrument bereitzustellen, das sie bei strategischen Entscheidungen zur Anpassung an den Klimawandel unterstützt“. Beispiele für strategische Entscheidungen sind: „Positionierung der Destination im Wintertourismus, Investitionsentscheide in Infrastruktur und Beschneiung, Produktentwicklung und Angebotsgestaltung, Marketing- und Kommunikationsstrategien“.

Auf Initiative der Schweiz hat UN Tourism in Europa zum Thema Climate Change and the Future of Snow-Based Mountain Tourism Destinations ein Steering Committee gebildet sowie bei der Fachhochschule Graubünden eine Studie beauftragt.

Deren vorläufige Ergebnisse sind vor rund einem Monat von Melanie Tamborini und Christian Baumgartner beim Weltkongress von UN Tourism zu Berg-, Schnee- und Wellnesstourismus in Andorra präsentiert worden. Die Präsentation und der Webstream sind online verfügbar.

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