Reisen ist der neue Luxus

Trotz Teuerung und steigender Preise boomt das Segment der Luxusreise mit jährlichen Zuwachsraten von 8,5 Prozent wie nie zuvor. Ultra-Personalisierung, besondere Erlebnisse, maßgeschneiderte Rundreisen und Hotelyachten sind die Trends der Stunde.

Immer mehr Vermögende

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre: Laut dem Beratungsunternehmen Capgemini sind es aktuell 25,3 Millionen. In Österreich hat ihre Zahl im Vorjahr um ein Fünftel auf rund 200.000 zugelegt – was vor allem auf boomende Aktienmärkte aber auch erhebliche Erbschaften zurückzuführen ist. Luxus ist gefragter denn je – und da wiederum insbesondere exklusive Reisen. 1,7 Billionen US-Dollar beträgt der Luxusreisemarkt 2026; bis 2033 sollen es laut Prognose drei Billionen sein.

Luxusreisende machen zwar nur gut fünf Prozent der Kunden aus, erwirtschaften aber 25 Prozent des Umsatzes. „Daran sieht man, wie attraktiv diese Zielgruppe für die gesamte Branche ist“, sagte Airtours-Chef Steffen Boehnke, bei der Präsentation der zum TUI-Konzern gehörenden Luxusreise-Marke – stilgerecht im italienischen Nobelitaliener Fabios in Wien: „Mit jährlich 8,5 Prozent Plus wachsen Luxusreisen stärker als etwa der Verkauf hochpreisiger Konsumgüter. Reisen sind der neue Luxus“. Laut eigenen Angaben ist Airtours die Nr. 1 im DACH-Raum in diesem Bereich und performt zum Teil noch besser als der Gesamtmarkt: Private Travel wachse aktuell um über 20 Prozent; Airtours Cruises sogar um 36 Prozent. Jährlich verreist eine sechsstellige Zahl vermögender Kunden mit der TUI-Luxus-Marke.

Möglichst große Individualität

Klar, dass sich die Reiseveranstalter, Hotels und Dienstleister laufend etwas Neues einfallen lassen und sich mit ausgefallenen, exklusiven Angeboten und Services überbieten, um bei reiselustigen Millionären, Erben oder einfach gut situierten Menschen, die sich einmal was ganz Besonders gönnen wollen, zu punkten. Und sie geben damit Benchmarks vor, an denen sich auch traditionelle Beherbergungs- und Gastrobetriebe orientieren können.

Wer viel Geld für einen Urlaub ausgibt – oft sechsstellige Summen und ohne Limit nach oben – ist auch anspruchsvoll. Boehnke: „Luxusreisende möchten heute nicht mehr einfach nur verreisen. Sie erwarten Angebote, die exakt zu ihren Interessen, ihrem Lebensstil und ihren persönlichen Erwartungen passen. Gefragt seien „maximale Flexibilität, persönliche Betreuung und Erlebnisse, die sich nicht beliebig reproduzieren lassen.“ Die konsequente Individualisierung von Reisen sei der stärkste Wachstumstreiber im Luxussegment, Ultra-Personalisierung der neue Standard. Tagesabläufe würden spontan an Wetterbedingungen angepasst, Aktivitäten kurzfristig verändert oder neue Erlebnisse integriert.

Besonders gefragt seien intensive Naturerlebnisse und authentische Begegnungen, die weit über klassisches Sightseeing hinausgehen. Wie private Safaris in Tansania, Begegnungen mit lokalen Gemeinschaften in Namibia oder persönliche Treffen mit Künstlern, Historikern und Experten vor Ort. „Dafür werden auch lange Anfahrten, abgelegene Regionen oder bewusst naturnahe Unterkünfte akzeptiert, wenn dadurch einzigartige Erfahrungen möglich werden“, erklärt Beate Arnold, Airtours-Private Travel-Verantwortliche. Etwa beim Gorilla-Trekking in Ruanda, wo eine Nacht in der exklusiven Wilderness Lodge Bisate mit rund 3.000 Euro zu Buche schlägt plus 1.500 Euro für den einmaligen Eintritt in den Nationalpark. Eine Schlüsselrolle würden auch qualifizierte lokale Guides spielen, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern persönliche Verbindungen zu Kultur, Menschen und Lebenswelten vor Ort schaffen. Gerade das mache für viele Gäste den eigentlichen Wert einer hochklassigen Reise aus, wenngleich solche Guides nicht immer leicht zu finden seien.

Exklusives Kreuzfahrt-Feeling

Neben individuell gestalteten Reisen sind auch Luxus- und Expeditionskreuzfahrten sowie moderne Yacht- und Boutiquekonzepte zunehmend gefragt. „Neue Schiffe mit moderner Architektur, außergewöhnlicher Gastronomie und abwechslungsreiche Routen machen Kreuzfahrten verstärkt für jüngere Zielgruppen attraktiv“, so Boehnke. Mit dem Einstieg renommierter Hotelmarken wie Four Seasons ins Kreuzfahrtbusiness entstehe ein neues Marktsegment – sogenannte Hotelyachten. Statt klassischem Kreuzfahrtgefühl erleben Gäste, etwa auf der Ritz-Carlton Luminara, private Yachtatmosphäre, exklusive Häfen, längere Liegezeiten und ein persönlicheres Reiseerlebnis. Solche Hotelyachten für wenige hundert Gäste verfügen z. B. über eine eigene mobile Marina oder eine Vielzahl von Restaurants.

Wunsch nach Natur und Ruhe

Neben Fernreisen profitieren auch nordeuropäische Destinationen von der wachsenden Nachfrage nach Naturerlebnissen, Ruhe und authentischen Reiseerfahrungen. Arnold: „Die sprechen eine Zielgruppe an, die einfach ihre Ruhe haben und nichts mehr davon wissen will, was gerade in der Straße von Hormus oder sonst wo passiert“. Was hingegen etwas abgenommen hat, seien Reisen mit Privatjets, die vor allem während Corona geboomt haben. Arnold: „Die sind aber oft ein Thema, wenn jemand ohne Probleme mit seinem Haustier verreisen will.“

Griechische Top-Resorts

Was die österreichische Luxus-Klientel betrifft, so unterscheidet sich die bei der Destinationswahl gar nicht so sehr vom Normalbürger: Fast jede dritte Airtours-Sommerreise führt heuer nach Griechenland, wo in den letzten Jahren zahlreiche Top-Resorts errichtet wurden. Gefolgt von den Malediven, Italien, den Balearen, Mauritius, Seychellen, Thailand, Kroatien und Nordamerika. In den USA zeigen sich veränderte Reisepräferenzen: Erstmals wird Hawaii häufiger gebucht als New York City. Große Zuwächse gibt es für Kanada.

 

15. Juni 2026 • 07:33 Uhr • Alex Pesjak

Herzlichen Dank für die spannende Perspektive.

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