KI reduziert Lohnaufkommen – Gemeinden verlieren Einnahmen, Hotels Gäste
Bis 2035 entstehe Wohlstand zu einem geringerem Teil aus Erwerbsarbeit, sondern aus dem Zugang zu Energie, Rechenleistung, Daten und geistigem Eigentum. So beschreibt es der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky. Besteuert würden künftig Roboter, Produktionsanlagen und Lizenzen statt Löhne. Für den Tourismus wirft das zwei Fragen auf, die selten zusammen gestellt werden: Wer zahlt dann die Beiträge, aus denen Gemeinden und Sozialsystem leben. Und wer kann sich dann noch eine Woche Urlaub leisten.
Wandert Wertschöpfung an Kapital, muss Kapital tragen, was bisher Arbeit getragen hat. Belastet würde, was heute unbesteuert Erträge bringt: KI-Modelle, Softwarelizenzen, Patente, Rechenkapazität, Datenbestände. Neu ist der Gedanke nicht. In Österreich heißt er Wertschöpfungsabgabe, Alfred Dallinger brachte ihn 1983 in die Debatte, Anlass war schon damals der sinkende Lohnanteil an der Wertschöpfung. Damals durch den Widerstand der gesamten Wirtschaft und Verbände zu Fall gebracht, aber jetzt hat sich die Situation verändert.
Woran die Finanzierung hängt
Pensions-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung werden aus Löhnen finanziert und in den bundesweiten Töpfen verteilt. Bei der Kommunalsteuer ist das anders. Sie beträgt 3 % der Bruttolohnsumme und bleibt in jener Gemeinde, in der die Mitarbeiter beschäftigt sind. In einer Tourismusgemeinde ist der größte Arbeitgeber häufig ein Hotel. Fällt dort die Hälfte der Stellen weg, fällt vor Ort der Beitrag weg, aus dem Kindergarten, Freibad und Ortsstraßen mitfinanziert werden. Das trifft die Gemeindekasse, bevor eine Statistik es zeigt.
Wer besteuert wen
Für die Gegenfinanzierung müsste Europa jene Unternehmen besteuern können, die mit KI & Co verdienen. Auf europäische Unternehmen entfallen rund 9 % der weltweiten Marktkapitalisierung im KI-Sektor, auf US-amerikanische 65 %. Bei neuen KI-Patenten kommt Europa auf 3 %, die USA auf 70 %, China auf 14 %. Die vier größten US-Technologiekonzerne investieren 2026 zusammen etwa 700 Milliarden Dollar in KI, etwa das Dreifache des EU-Programms. Eine „Maschinensteuer“ trifft unter diesen Bedingungen, sarkastisch gesagt, ein paar Reinigungsroboter in Hotels. Die LLM-Modelle zum Beispiel, kaum in Europa angesiedelt, erreicht diese Steuer nicht.
Welche Gäste kommen dann noch?
Ob jemand eine Woche Urlaub macht, hängt in Österreich direkt am laufenden Erwerbseinkommen. Die Hotellerie und Gastronomie lebt von der breiten Mitte, von Familien, in denen zwei Menschen verdienen. Wandert Einkommen von der Arbeit zum Kapital, können sich diese Familien die Freizeitausgaben nicht mehr leisten. Für die Betriebe hieße das weniger Gäste aus der Mitte, dafür eine kleine, sehr kaufkräftige Gruppe an der Spitze und mehr Menschen, die sich den Urlaub sparen. Ein 4-Sterne-Haus im Alpenraum ist auf diese Struktur nicht gerechnet.
Wo die Politik jetzt gefordert ist
Die Wertschöpfungsabgabe braucht keine weitere Grundsatzdebatte, sondern eine Bemessungsgrundlage und einen Termin. Und der Finanzausgleich muss beantworten, woraus eine Gemeinde ihre Infrastruktur finanziert, wenn die lohnabhängige Kommunalsteuer schrumpft. Beides gehört verhandelt, solange die Beiträge noch fließen. Die Hotellerie zählt zu den beschäftigungsintensivsten Branchen des Landes und ist in vielen Gemeinden der größte Kommunalsteuerzahler. Wenn über die Finanzierungsbasis des Sozialstaats verhandelt wird, muss die Hotellerie mitreden. In der Politik wird das Thema weiter als Technologiefrage behandelt. Es ist eine Frage der Staatsfinanzierung, und der Zeitpunkt steht fest: bevor die Beiträge fehlen, nicht danach.
Sehr guter Blog
Die Mechanismen sind sehr gut beschrieben. Wenngleich die Schlussfolgerungen hoffentlich noch nicht fix sind. Die Generation der Erben, gerade die, die sich kein Eigenheim mehr schaffen können und daher Kapital zur Verfügung haben, könnte den 4Stern Bereich etwas abfangen.
Ein sehr schöner Blogbeitrag, dem ich über weite Strecken zustimmen kann. Trotzdem muss ich allen, die sich frühmorgens an meinem Blogbeitrag begeisterten eingestehen: Es war ein technischer Fehler, dass ich am 5.10. bis ca. 8 Uhr als Verfasser aufschien, sondern es war immer ein Beitrag von Elfriede Krempl. Selbst erlaube ich mir nur die Anmerkung, dass sich gerade die Dienstleistungswirtschaft über die Jahre einiges Jammern Richtung Lohnnebenkostenentlastung erspart hätte, hätte sie einst Weitsicht bewiesen. Denn damals stand die Globalisierung mit ihren Künsten, nationale Abgaben zu umrunden, erst am Beginn. Es ist seither sicher nicht einfacher geworden, internationale Kapitalströme gerecht zu besteuern. Was nationale bzw. europäische Politik nicht davon abhalten soll, es zumindest zu versuchen.
Vor Jahren hat es ein Sozialminister Dallinger mit einer Maschinensteuer versucht und wurde dafür heftig beschimpft. Richtig ist es jedoch dann wenn sich die Wertschöpfung beispielsweise auf digitale Dienste und KI verlagert, diese dann auch als Steuerbasis heranzuziehen. Nach wie vor haben wir jedoch eine immer wieder beklagte hohe Belastung der Löhne und des Faktors Arbeit, wobei gerade personalintensive Branchen wie der Tourismus besonders betroffen sind.
Bei einer Neuausrichtung des Steuersystems sollte man durchaus auch eine Besteuerung des Kapitals und des Vermögens in Betracht ziehen. Da ist dann auch eine Erbschafts- oder Vermögensteuer nicht von vornherein tabo. Eines sollte jedoch keineswegs passieren, dass die ohnedies schon hohe Steuerquote noch weiter steigt.
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