Gerät Österreichs touristischer Höhenflug ins Wanken?

Die aktuellen Daten sind eindeutig: Bei den Nächtigungszahlen lag Österreich  2025 auf Rekordniveau. Selbst wenn die Dezemberwerte noch nicht publiziert sind, für die WKÖ hatte Jürgen Weiß, Statistik Austria, bereits Nächtigungszahlen für das Jahr 2025 vorliegen. Wobei die Zahlen für Dezember noch auf Schätzungen beruhten. WKÖ-Tourismusspartenobfrau Susanne Kraus-Winkler bestätigte aber, dass in persönlichen Umfragen zur Buchungslage während der Weihnachtsferien ebenfalls häufig das Wort „Rekord” gefallen sei, also trotz der weitgehend schwierigen Schneelage die Gästebetten kaum schwächer ausgelastet gewesen sein dürften, als in den Jahren davor. „Als Kalenderjahr 2025 betrachtet, brachten sowohl Sommer-, als auch Winterhalbjahr Nächtigungsrekorde”, fasste Weiß zusammen. Der Zuwachs auf insgesamt 156 Mio. Nächte bewegte sich aber unter ein Prozent. Über einen längeren Zeitraum betrachtet sei auch der Trend Richtung Ganzjahrestourismus belegbar:  „Die Bedeutung der Monate Mai, Juni, September und Oktober steigt über die Jahre markant. Wobei trotzdem  auch in den absoluten Topmonaten wie August  und Februar weiterhin Zuwächse erzielt werden.”

Um 6 % weniger Interesse am Österreich-Sommer

Die Statistiken sprechen zwar für ungebrochenes Wachstum, doch eine Zahl aus dem alljährlichen „Ruefa-Reisekompass” der Verkehrsbüro Group könnte als Trendumkehr gedeutet werden. Nach einem hohen Maß an Stabilität über Jahre, gaben in der repräsentativen Befragung durch Marketagent.at dieses mal um sechs Prozent der österreichische Konsumenten weniger an, ihren Sommerurlaub in Österreich verbringen zu wollen. Eine Zahl, die dazu befragte Hoteliers und Branchenvertreter irritiert. Als mögliche Ursachen wurde stets neben dem katastrophalen Sommerwetter 2025 die Preisentwicklung lokalisiert.

Kraus-Winkler warnt – auch die Regierung – immer wieder vor dem Irrglauben, überdurchschnittliche Preiserhöhungen aufgrund neuer Belastungen könnten den Tourismus nach Österreich nicht irgendwann bremsen. Immerhin liegt verglichen mit 2015 (Index 100) die Position Hotels und Restaurants heute bereits bei 166,2, während der Gesamtindex 138,7 erreicht. Die ÖHV zeigte in ihrer Pressekonferenz während des Hotelkongresses durchaus tragfähige Begründungen für die  zuletzt überdurchschnittlichen Preiserhöhungen der Tourismusbetriebe. Sie liegen auch in Eigenheiten des Verbraucherpreisindex (VPI). So machen Lebensmittel rund ein Achtel des VPI aus, in der Gastronomie schlagen sie aber mit rund einem Viertel durch. Steigende Baukosten haben wiederum im VKI geringere Relevanz als  für die Hotellerie. „Aber das Drittel im Warenkorb, das billiger wurde, spielt für ein Hotel kaum eine Rolle: Textilien, Schuhe, selbst bei den Kommunikationskosten profitieren wir aufgrund langfristiger Flat Rates nicht”, gibt ÖHV-Präsident Walter Veit zu bedenken. Zum Thema Lebensmittel verwies er darauf, dass man seit Jahren bewusst auf regionale Nahrungsmittel gesetzt habe und stellte als Drohung in den Raum: „Wir könnten ja künftig billigeres Uruguay-Rindfleisch kaufen.”

Die Preisfrage im Zentrum

Anderes weniger sinnvoll beleuchtet. Etwa wenn damit argumentiert wird, dass Qualitätserhöhungen der Hotellerie – etwa durch Wellnessanlagen – nicht entsprechend im VPI berücksichtigt werden. Denn auch andere Produkte müssen im Laufe der Zeit ihre Qualität anpassen, seien es Autos oder Wohnungen… Wenn Staatssekretärin Elisabeth Zehetner  sagt, die Tourismus-Werte müssten im VKI  neu berechnet werden, denn im Tourismus handle es sich überwiegend um ausländische Gäste, verwiesen Fachleute darauf, dass diesem Umstand in der Berechnung längst Rechnung getragen werde.  

Jedenfalls dürfte es nicht so sein, dass sich der Inlandsgast billigere Quartiere sucht. Denn Jürgen Weiß löste bei seiner Präsentation in der WKÖ mit einem statistischen Wert durchaus Erstaunen aus: Beim Winterurlaub wählen Inländer höherwertige Unterkünfte, als internationale Gäste! Ohne dazu exakte Zahlen zu präsentieren, herrscht die Überzeugung vor, dass dafür wohl die Dominanz von Deutschland und den Niederlanden unter den internationalen Wintergästen die Ursache sein muss. Von weiter anreisende Skitouristen sind ja für ihre vergleichsweise hohe Ausgabefreude bekannt.

Peter Zellmann
24. Januar 2026 • 16:06 Uhr • Peter Zellmann

In dem Bericht von Fred Fettner finden sich wichtige Hinweise für manches Missverständnis und darauf folgende Fehlinterpretationen:

1. Der VPI, bzw. die Warenkorb Zusammensetzung ist für die Tourismuswirtschaft (Anbieter wie Nachfrager) ein vollkommen ungeeignetes „Vergleichsinstrument“. Darauf habe ich schon mehrmals im Zusammenhang mit der vom Boulevard regelmäßig kritisierten Entwicklung der Liftpreise hingewiesen.

2.Wenn der Tourismus im Jahr 2026 die diversen (Kenn)Zahlen von 2025 erreicht, wäre das ein großer Erfolg. In- und ausländische Gäste werden heuer eher weniger einen Österreich Urlaub buchen. Das gilt vollkommen unabhängig von der Preisentwicklung oder Preissituation. Auch wenn wir es in steter Selbstüberschätzung nicht wahrhaben wollen: Österreich ist ein Urlaubsland für die Mittelschicht, und die wird heuer erstmals auch am und noch mehr im Urlaub deutlich sparen. Luxusangebote gehen zwar immer besser, stellen für die Tourismuswirtschaft insgesamt aber keinen geeigneten Maßstab dar.

3. Tourismus ist zu zwei Drittel Exportwirtschaft. Das wird in den diversen Statistiken kaum, in der Öffentlichkeit überhaupt nicht beachtet.

4. Die Analyse von Jürgen Weiß ist vollkommen richtig. Die Tatsache, dass sie bei Touristikern „Erstaunen“ auslöst zeigt, dass eben viele „Missverständnisse“ im Hinblick auf Bedürfniserfassung und Beurteilung von Erwartungshaltungen vorherrschen.

PS. Digitalisierung und KI sind nicht alles, Empathie* ist gleich wichtig und gleichwertig
*nicht zu verwechseln mit Sympathie, Anteilnahme, Mitleid oder Hilfsbereitschaft. Auch dieser Zusammenhang deckt ein signifikantes Missverständnis mit entsprechenden Folgen bei manchen Experten auf.

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