Fliegen war auch schon Mal lustiger

Die Luftfahrt hat in den vergangenen 25 Jahren eine Reihe von Krisen bewältigt, die jüngste – ausgelöst durch den Iran-Krieg – scheint aber eine neue Dimension zu bedeuten. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen für die Airlines kommen im Zusammenspiel mit ohnehin schon schwierigen Rahmenbedingungen nicht zuletzt die Passagiere zu spüren. Und damit letztlich auch die Tourismuswirtschaft.

Beginnend mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center 2001, über die Finanzkrise 2008/09 bis zur Covid-Pandemie ab 2020 und dem Ukraine-Krieg seit 2022 war die Luftfahrt-Industrie in den vergangenen 25 Jahren mit zahlreichen Krisen konfrontiert, die alle mehr oder weniger gut bewältigt wurden. Doch mit dem Iran-Krieg und den damit verbundenen Auswirkungen auf die weltweite Öl- und Treibstoffversorgung, sind die Turbulenzen für die Branche aktuell so heftig wie selten zuvor. Die Krise scheint eine neue Dimension erreicht zu haben, die Schockwellen in alle Richtungen aussendet. Die steigenden Energiepreise heizen die Inflation an und schon jetzt haben die meisten Fluglinien ihre Ticketpreise erhöht. Zudem wird wiederholt davor gewarnt, dass es während der Sommersaison zu Kerosin-Engpässen und dem Ausfall von Flügen kommen könnte. Dazu kommt noch, dass die europäischen Fluglinien kriegsbedingt Umwege fliegen müssen, Strecken gestrichen wurden und die Zukunftsperspektiven der passagierstarken Golf-Carrier in Schwebe geraten ist. Das alles trifft nicht nur die Passagiere, auch die Reisebüros bzw. -veranstalter werden vor neue Herausforderungen gestellt.
Die unter immer stärkeren wirtschaftlichen Druck stehenden Airlines müssen sich jedenfalls ökonomisch etwas einfallen lassen, um zu überleben und nicht so wie jüngst der amerikanische Billigflieger Spirit den Betrieb einstellen zu müssen. Abgesehen von Sparpaketen, die längst zum täglichen Alltag gehören, geht das in erster Linie nur einnahmenseitig.

Neue Tarifklassen

Nachdem schon in den letzten Jahren jede Menge Zusatzgebühren – von der Fastlane bei den oft mühsamen Sicherheitskontrollen, über die Sitzplatzwahl bis zu kostenpflichtigen Speisen und Getränken auf Kurzstrecken – eingeführt wurden, bietet sich natürlich auch das Gepäck in Kombination mit verschiedenen Ticketklassen als Einnahmequelle an. So hat etwa die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die AUA gehört, einen neuen Basic-Tarif eingeführt, bei dem kein Freigepäck in Form eines Trolleys mehr inkludiert ist. Erlaubt ist nur noch das Mitführen einer kleinen Tasche. Austrian Airlines begeben sich sozusagen auf das Feld der Billigairlines wie Ryanair oder Wizz Air. AUA-Chefin Annette Mann sieht das zwar nicht so und bezeichnet es auf Linkedin als „großen Quatsch“, zu denken, die Lufthansa-Tochter würde „grundsätzlich“ das kostenlose Handgepäck bzw. Gratisgepäck streichen, „auf Ryanair“ zu machen und dass jeder zukünftig für einen Rollkoffer extra zahlen müsse. Sachlich richtig wäre es vielmehr zu sagen, „Austrian Airlines führt einen zusätzlichen Tarif ohne Handgepäck ein“, so Mann. Die AUA baue lediglich unten an und habe in Zukunft einen zusätzlichen Tarif namens Basic. Dieser liege preislich unterhalb von Light und habe kein Handgepäck inklusive. Dieses kann ab 15 Euro dazu gebucht werden. Das geschehe, weil man bei Online-Buchungsportalen konkurrenzfähig bleiben wolle, manche Kunden tatsächlich kein Handgepäck brauchen würden und es zudem mehr Platz in oft übervollen Overhead Bins geben würde. Künftig werde klar sein, wer darauf einen Anspruch habe, was auch fairer sei als die bisherige Praxis, bei der manchen Passagieren das Handgepäck angenommen werde, so Mann, die zugleich mehr Kontrollen an den Gates ankündigt, um den neuen Tarif zu kontrollieren.
Unbeantwortet bleibt freilich die Frage, warum beim neuen Basic-Tarif nur noch eine Tasche mit den Maximalmaßen von 40 mal 30 mal 15 Zentimeter erlaubt ist, während es bei Ryanair oder Wizz Air 40 mal 30 mal 20 Zentimeter sind. Fünf kleine Zentimeter, die freilich einen großen Unterschied ausmachen. Denn für Ryanair und Co wurden eigene, ausgeklügelte Rucksäcke auf den Markt gebracht, in denen sich erstaunlich viel Gepäck für eine Reise von ein paar Tagen unterbringen läßt. Was AUA-Chefin Mann als Fairness-Plus sieht, dürfte bei den Passagieren dagegen eher für Verwirrung beim Buchen oder gar Verärgerung sorgen. Ob dieser Schuss vielleicht nicht sogar nach hinten losgeht?

Umstrittene Ticketsteuer

Ein großes Thema sind nach wie vor auch die hohen Flughafengebühren und die umstrittene Ticketsteuer, die das Fliegen verteuern und nicht nur Billig-Carrier bei ihrer Entscheidung zur Flottenstationierung entscheidend beeinflussen. Ryanair-Chef Michael O’Leary kritisiert die seiner Meinung nach „unnötige“ Steuer regelmäßig und hat nicht zuletzt deswegen auch seine Flotte in Wien deutlich reduziert. Wizz air hat sich sogar gänzlich aus Österreich zurückgezogen. Auch Flughafen Wien-Vorstand Günther Ofner sieht die Ticketsteuer, die jährlich rund 170 Millionen Euro ins Staatsbudget spült, als „Bremsklotz“ und plädiert für die Halbierung der Ticketabgabe (12 Euro pro Passagier bzw. 30 Euro bei Strecken unter 350 Kilometer). Angesichts der hohen Kerosinpreise und Unsicherheiten könnte das der Branche den nötigen Aufwind bringen. Immerhin haben Länder wie Schweden, Ungarn oder die Slowakei ihre nationalen Flugabgaben unlängst abgeschafft. Eine Abschaffung oder Reduktion der ungeliebten Abgabe würde zwar zu geringeren Einnahmen des Bundes führen, hätte jedoch positive Effekte, die das kompensieren: mehr Flüge wären ein Push für den Tourismus und würden  rund 1000 Arbeitsplätze mehr pro einer Million Passagiere schaffen. Einnahmen aus Touristenabgaben, Körperschaftssteuer und Lohnsteuer würden steigen und die Airlines mehr Geschäft machen, so jüngst das Economica-Wirtschftsforschungsinstitut.

Fazit: Ein komplexes Thema, das angesichts der aktuellen geopolitischen Verwerfungen in Zukunft wohl nicht einfacher wird und auch für die Tourismuswirtschaft mit Sicherheit neue Herausforderungen bringen wird.

Kommentieren

Ihre Daten werden im Rahmen der Kommentarfunktion gespeichert, darüberhinaus aber für keine weiteren Zwecke verwendet. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.