Das gewagte Dubai-Experiment der AUA
Um in der schwachen Wintersaison ihre Flotte besser auslasten zu können, fliegt die AUA neuerdings nach Dubai – und das mit dem eigentlich für Kurz- und Mittelstrecken ausgelegten Airbus A 320 Neo. Ein Unterfangen, das auch zeigt, wie sehr sich das Fliegen in den vergangenen Jahren verändert hat.
Eigentlich ist die Verbindung von Wien nach Dubai eine Domäne der dort ansässigen Fluglinie Emirates. Doch seit 1. Dezember macht Austrian Airlines dem arabischen Platzhirschen auf dessen Hausstrecke mit einer neuen Direktverbindung Konkurrenz. Und das eigentlich aus Zufall, wie AUA-Chefin Annette Mann erklärt. Weil die Lufthansa-Tochter ihre Langstrecken-Flotte erneuert, zwölf neue Boeing 787-Flugzeuge bekommt und ab nächstem Jahr größere Langstreckenkapazitäten haben wird, wird vorsorglich laufend um neue Slots (Zeitfenster zum Starten und Landen, Anm.) angefragt. Und die für Dubai wurden überraschend ein Jahr früher bewilligt als erwartet. Was damit tun, fragte sich das Management und schlug der AUA-Chefin darauf den sogenannten „Dubai-Deal“ vor. Mann war zwar zuerst skeptisch, findet es mittlerweile aber „aus perspektivischen Gründen klug“, die Slots mit den jetzt zur Verfügung stehenden Airbus A 320 auch zu nutzen. Zudem gelte es im Winter, speziell im hochgradig defizitären ersten Quartal, die variablen Kosten der Flugzeuge zu decken und idealerweise zusätzlich etwas zu verdienen. Mann: „Jeder Euro Deckungsbeitrag ist ein guter Euro.“
Somit wurde nach zehn Jahren Pause die Strecke Wien-Dubai wieder ins Programm genommen – und zwar mit einem preislich attraktiven Produkt, das den Kunden den Umstieg von Emirates auf die AUA schmackhaft machen soll. Auch wenn Intercont-Netzwerkplaner Tobias Hinterberger nicht von Kampfpreisen sprechen will, dass es sich um Kampfpreise handelt steht außer Frage. Die AUA-Tickets für Dubai und retour beginnen in der Economy bereits bei 314 Euro (inklusive 8 kg Handgepäck) und somit – je nach Buchungszeitraum – in der Regel um einige hundert Euro günstiger als beim Mitbewerber. Auch die Preise für die Businessclass – die allerdings keine Flat Beds sondern nur normale Sitze mit freiem Mittelplatz hat – sind mit ab 699 Euro (inklusive Do&Co Catering sowie zwei Hand- und zwei Aufgabegepäckstücke) sehr attraktiv.
Billig- versus Qualitätsimage
Dennoch ist das Dubai-Experiment nicht nur ob der übermächtigen Konkurrenz von Emirates gewagt. Die AUA, die sich selbst als Hub-Carrier und Qualitätsairline sieht, begibt sich mit dem A 320 Neo – ein sogenannter Narrowbody-Jet – bei über fünfeinhalb Stunden Flugdauer gewissermaßen auf Billig-Carrier-Niveau. Ein Unterschied zu Ryanair oder Wizz Air ist da nicht mehr groß auszumachen. Die Bestuhlung ist zumindest ebenso eng – zu groß bzw. dick sollte man besser nicht sein. Auch kulinarisch geht es spartanisch zu, seit auf bestimmten längeren Strecken das Gratiscatering eingestellt wurde. Das AUA-Melangerie-Angebot ist qualitativ sicher gut (weil von Henry by Do&Co), es muss aber dafür gezahlt werden – so wie für die Getränke. Kostenlos gibt es auf dem Fünfeinhalb-Stunden-Flug nichts, außer der obligatorischen Mozartkugel zum Abschluß. Zudem stößt das Bezahlsystem auf so einem Flug an seine Grenzen. Bis die zugegebenermaßen freundlichen Flugbegleiter mit dem Service durch sind, dauert es – insbesondere in Kombination mit den zahlreichen Toilettengängern. Und auch nicht unwesentlich: Bordentertainment mit Filmen und Musik gibt es ebenfalls nicht.
Wer weiß, was ihn erwartet, für den mag das Produkt in Ordnung sein, wer aber auf einem Flug mit der AUA ein bestimmtes Service erwartet, dass es (zumindest auf bestimmten Strecken) nicht mehr gibt, wird definitiv enttäuscht sein. Netzwerkplaner Hinterberger gesteht ein, dass es diesbezüglich „noch Kommunikationsbedarf“ gebe, findet aber nicht, dass die AUA sich mit dem neuen Produkt auf Billigcarrier-Niveau begibt: „Es gibt Freigepäck, ein hochwertiges Melangerie-Angebot, Polster und Decken in der Eco, eine Business-Class und nicht zuletzt auch die Vorteile eines Netzwerk-Carriers“.
Viele Verbindungen im Lufthansa-Netzwerk
Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang, dass die Lufthansa-Gruppe, zu der die AUA ja gehört, bisher ohnehin schon zahlreiche Verbindungen nach Dubai anbietet: Während die AUA fünf Mal wöchentlich fliegt (Ausnahme Dienstag und Freitag) sind es bei der Lufthansa wöchentlich 24 Flüge, bei der Swiss 14, bei bei der neuen Tochter ITA 7 und bei Eurowings 14 bis zumindest 21 pro Woche.
Erfreut zeigt man sich über die Neuaufnahme des Fluges an den arabischen Golf auf jeden Fall beim Flughafen Wien, der den jüngsten Rückzug der Billigfluglinie Wizzair und die Reduktion der Ryanair-Flotte in Schwechat verdauen muss. Vorstand Julian Jäger betont dessen Bedeutung für den Standort: „Die Rückkehr der Dubai-Verbindung bestätigt die starke Nachfrage in den Nahen und Mittleren Osten und unterstreicht den Wachstumskurs unseres Home-Carriers.“

AUA-Chefin Annette Mann (Mitte) und Flughafen-Vorstand Julian Jäger (re.) bei der Inaugurationszeremonie der neuen Dubai-Verbindung
Bisher erfreuliche Buchungszahlen
Aus wirtschaftlicher Sicht soll zudem die Zusammenarbeit der AUA mit Reiseveranstaltern wie Eurotours, Ruefa und TUI, die damit Dubai-Packages günstiger anbieten können, für zusätzliche Buchungen sorgen. Ob das neue, preisgünstige Dubai-Experiment ein Erfolg wird oder für die Qualitätspositionierung von Austrian Airlines à la longue womöglich kontraproduktiv ist, wird die Zukunft zeigen. Angelegt wurde die Verbindung vorerst für den Winterflugplan bis Ende März 2026. Bis dahin will sich AUA-Chefin Mann die Wirtschaftlichkeit des Dubai-Deals ansehen und danach über die weitere Vorgangsweise entscheiden. Einstweilen übertreffen die Buchungszahlen jedenfalls die Erwartungen, versichert Mann: „Im Moment sind wir positiv überrascht. Wenn ich nur den Dezember und Januar beurteilen müsste, kann ich sagen, es ist absolut gelungen.“
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