Bahnreisen wird zum Urlaubsspaß: „Ein Klick, ein Ticket, ein Europa“
Mit dem ganz aktuellen Vorschlag zum „Single Ticketing“ will die EU-Kommission erreichen, dass Reisende künftig mit einem einzigen Ticket durch mehrere Bahnsysteme fahren können – etwa mit ÖBB, Deutscher Bahn und Trenitalia „in einem Zug“. Heute scheitern viele an genau dieser Schnittstelle: uneinheitliche Buchungssysteme, marktmächtige Platzhirsche und das ungute Gefühl, beim kleinsten Verspätungsfehler zwischen den Zuständigkeiten zu landen. Laut Eurobarometer gibt ein Viertel der Befragten an, Probleme bei Tickets mit mehreren Anbietern zu haben; 43 Prozent buchen solche Reisen gar nicht erst.
Die Kommission will Ticketplattformen daher zu neutraler Anzeige aller Angebote verpflichten – inklusive konkurrierender Anbieter – während Bahnunternehmen ihre Daten und Tickets für diese Plattformen öffnen müssen. Damit sollen nicht nur Plattform-Monopole aufgebrochen, sondern auch Preise gedrückt und neue Geschäftsmodelle kleinerer Bahnanbieter ermöglicht werden.
Mehr Fahrgastrechte, weniger Stoßgebete
Wesentlicher Bestandteil des Pakets sind gestärkte Fahrgastrechte bei grenzüberschreitenden Reisen. Wer mit einem Single Ticket unterwegs ist, soll bei verpassten Anschlüssen Anspruch auf Entschädigung, Umbuchung und – wenn nötig – Hotel und Verpflegung haben, auch wenn mehrere Betreiber beteiligt sind. Die Kosten trägt jenes Unternehmen, das die Verspätung verursacht hat; bilaterale „Gentlemen’s Agreements“ reichen künftig nicht mehr aus.
Politisch vergleichen Europaabgeordnete das Vorhaben bereits mit dem Wegfall der Roaming-Gebühren im Mobilfunk: Single Ticketing sei „für Reisende, was der Wegfall der Roaming-Gebühren war“, so die österreichische EU-Abgeordnete Sophia Kircher: „Ein Klick, ein Ticket, ein Europa.“ Die Kommission sieht darin das Potenzial für mehr als 40 Prozent zusätzliche Langstrecken-Bahnreisen in Europa – vorausgesetzt, Rat und Parlament drehen an den richtigen Stellschrauben und lassen das Projekt nicht im institutionellen Weichenwald stehen.
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