Warum Österreich (zumindest) eine Skihalle benötigt
Man kann in den österreichischen Alpen Skifahren. Sogar so gut, dass im vergangenen Winter die Bergbahnen einen Spitzenwert an Gästen verbuchen konnten. Auch weltweit wurde eine Rekordzahl an Menschen registriert, die nach Seilbahnauffahrten den Wintersport genossen. Auf die Bevölkerung bezogen hält Österreich (34 %) fast gleichauf mit Liechtenstein (36 %) und der Schweiz (35 %) den Spitzenwert an Skisportlern in der eigenen Bevölkerung.
Wieso, so fragt sich der gelernte Österreicher, sollen wir dann bei uns eine Skihalle brauchen? Kurze Antwort: Damit die erstgenannten Zahlen so bleiben. Denn der Klimawandel eliminiert die weiße Winteridylle rasant aus dem Sichtfeld der Städter. Wachsende Bevölkerungsteile verlieren dadurch das Animo, aufwändig Schneesportarten zu erlernen. Denn eines wurde, auch von einigen Touristikern, bewusst falsch verstanden: Skihallen sind kein Ersatz für verschneite Berghänge, sondern steigern die Begehrlichkeit, diese zu erleben.
Vor dem Start dieser Saison hat die Diskussion an Breite gewonnen – und sie beschränkt sich nicht nur auf Wien. Ich interviewte dazu den Geschäftsführer Salzburgerland Tourismus (SLT), Leo Bauernberger: „Wir werden in Zukunft sicher eine Skihalle in Österreich sehen. Österreich verträgt gerade im Wiener Raum diese Infrastruktur. Denn der Skisport gehört einfach zur DNA von Österreich“. Gerade für Kinder im Nahbereich der großen urbanen Räume wäre so der Zugang zum Wintersport vereinfacht. Zusätzlich könne die Halle auch für Trainings und die Auftritte der Wintersportwirtschaft genutzt werden.
Weniger wahrscheinlich sieht er eine Schneehalle für die Region Salzburg selbst. Auch vor dem Hintergrund des Großraums München und des stärkeren Interesses von Skiclubs, die Halle vor Saisonstart auch zu Test- und Trainingszwecken zu nutzen, sei die Salzburg nicht unbedingt erste Wahl. „Die internationalen Erfahrungen zeigen: Es braucht den dicht besiedelten urbanen Raum mit Millionen Einwohnern in unter 90 Minuten Umkreis. Skihallen auf der grünen Wiese irgendwo im Outback haben nie wirklich funktioniert. Also selbst wenn wir München mitdenken hat es der Wiener Raum wesentlich leichter.“
Bauernberger weiß wovon er spricht. Denn seit 25 Jahren ist das Salzburgerland Partner der Skihalle Neuss. Dort kommen vier von fünf Besuchern aus einem Umkreis von unter 90 Minuten. „Es zeigt sich, dass wir dort grundsätzlich Marketing und Werbearbeit für den gesamten Wintersport machen, nicht nur für Salzburg. Doch es rechnet sich auch für uns: Denn wir wissen, dass etwa die Hälfte der Besucher nach Österreich fahren, davon überdurchschnittlich viele – nämlich der Großteil – ins Salzburgerland.“ Für die Kooperation das allerwichtigste seien jedoch die 20.000 Kinder, die alljährlich in der Skihalle Neuss – umgeben von animierenden Wintersujets aus Salzburg – Skifahren erlernen. Insgesamt verzeichnet die Skihalle jährlich 400.000 Besucher, wobei nicht wenige davon reine Partygäste sind.
Wie viel von den fünf Millionen Euro Marketing-Mittel, die SLT diesen Winter einsetzen wird, in die Skihalle Neuss fließen, lässt sich Bauernberger nicht entlocken. Ohne der Mittel, die Salzburger Regionen und Bergbahnen beitragen, sei die Präsenz ohnehin nicht umsetzbar. Es sei aufwändig, doch unmittelbarer seien potenzielle Skiurlauber nicht zu erreichen.
Salzburg verhandelt Partnerschaften mit weiteren Skihallen
Seit 2024 ist Branchenriese SnowWorld Alleineigentümer der Skihalle Neuss. 11 Skihallen sind bei SnowWorld gelistet. Salzburg plant, die Kooperation auf eine neue Ebene zu heben. Insgesamt will man sich in sechs weiteren Hallen als Partner etablieren. „Finanziell geht das gewiss nur gemeinsam mit den großen Regionen des Landes, mit Mitteln der Salzburger Tourismusförderung und der Skiindustrie“, bestätigt Bauernberger. Fix ist der Deal aber noch keineswegs. Die Verhandlungen für die Partnerschaft mit weiteren vier Hallen in den Niederlanden und den beiden in Großbritannien seien in Runde zwei und laufen „ergebnisoffen“.
Energieverbrauch sei heute kein Gegenargument mehr. „Nicht zuletzt, weil eine Skihalle inzwischen absolut nachhaltig betrieben werden kann. Neuss produziert über die Photovoltaik und nachhaltiges Energiemanagement schon doppelt so viel Strom, wie das Unternehmen selbst für die Kühlung und den Schnee benötigt. Der Rest geht ins lokale Netz.“
Vor diesem Hintergrund erachtet Bauernberger die Initiative von Roswitha Stadlober für sehr weise. Als Wintersportland Nummer eins in Europa ist es eine notwendige Investition in unser Kerngeschäft Wintersport.“ Bleibt die Frage: Wer ist bereit zu investieren?
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